Poetry-Slam: Christofer mit „f“ holt sich die „Goldene Feder“

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Nach einem unterhaltsamen Abend nahm Christofer mit „f“ aus Herne (r.) die „Goldene Feder“ mit nach Hause – mit im Bild Moderator Marian Heuser (l.) und der Zweitplatzierte Reiner Holl.

lüdenscheid - Besser hätte der Start der Poetry-Slam-Reihe „World of Wordcraft“ in die neue Saison für die Veranstalter kaum laufen können, denn der Garderobensaal des Kulturhauses war am Samstag restlos ausverkauft. Unter der bewährten Moderation von Marian Heuser stellten sich einmal mehr sieben Autoren der Publikumsjury – die „Goldene Feder“ sowie ein Preisgeld mit nach Hause nehmen durfte schließlich Christofer mit „f“ aus Herne.

Das Prozedere blieb am Samstag unverändert: Sieben vor Ort ausgewählte Jury-Mitglieder vergaben für die vorgebrachten Leistungen jeweils bis zu 10 Punkte. Nachdem der niedrigste und er höchste Wert gestrichen wurden, zählte die Gesamtpunktzahl.

Insgesamt präsentierte sich den Slam-Fans ein qualitativ sehr ausgewogenes Teilnehmerfeld, denn keiner der sieben Autoren erhielt eine Bewertung unter 40 Punkten.

Zwar musste sich der Autor, Schauspieler und Slam-Neuling Christian Michael Donat aus Dortmund bereits in der ersten Runde mit 41 Punkten verabschieden, wusste jedoch mit einem äußerst amüsanten Text über eine Gruppe Michelin-Weibchen beim Weightwatchers-Treffen durchaus zu überzeugen und hatte die Lacher auf seiner Seite. Sim Panse aus Bremen, der bereits im Rahmen der Reihe „World of Wordcraft“ zu sehen gewesen ist, musste sich mit der gleichen Punktzahl vorzeitig verabschieden. Mit einem Text, „so schwarz, dass wir ihn auf dem Mittelmeer ertrinken lassen würden“ sprach der Autor in beißender Form einige Wahrheiten der Flüchtlingsproblematik an und wartete dabei stellenweise mit einem sicher durchaus angebrachten Zynismus auf, der möglicherweise jedoch bei dem einen oder anderen Jury-Mitglied für Unbehagen sorgte.

Jens Kotalla aus Münster schied dagegen ein wenig später mit 42 Punkten und einem respektablen Beitrag aus dem Rennen aus, der anhand von (manchmal abstrusen) kulinarischen Vorlieben verdeutlichte, dass die Menschen auf der Welt so unterschiedlich eigentlich gar nicht sind. Tobias Engbring, ebenfalls aus Münster, schaffte es dagegen mit 44 Punkten und seiner „Beziehungsweise“ ins Halbfinale, ebenso wie Theresa Sperling, deren ebenso ernster wie anspruchsvoller Text „Sezierung“ sich um das Problem vieler Frauen drehte, schon in jungen Jahren von anderen nur nach ihrem Aussehen beurteilt zu werden. Dieser Beitrag erhielt mit 49 Punkten die höchste Wertung der ersten Runde.

Die beiden späteren Finalteilnehmer Reiner Holl (Dortmund) und Christofer mit „f“ (Herne) erzielten hier mit jeweils 46 Punkten noch ein schlechteres Ergebnis als die einzige Slammerin des Abends, wobei beide auf humorvolle Beiträge setzten, die das Publikum toben ließen. Während Lehrer Christofer als „Zeus der Poesie“ seinen Schülern einen vorrappte und ihnen dabei beherzt „den Stuhlkreis auf den Kopf schiss“, referierte Reiner Holl hochamüsant über das leckere Bierchen, das in Deutschland alle Menschen eint und „den Scheiß zusammenhält“.

In der zweiten Runde erzielte Theresa Sperling mit einem zurückhaltend augenzwinkernden, jedoch ebenso nachdenklich machenden Text über Dinge, die Eltern ihren Kindern erzählen sollten, aber trotzdem lieber verschweigen, respektable 47 Punkte, doch die beiden Finalisten wurden mit 50 Punkten (Reiner Holl) und 49 Punkten (Christofer mit „f“) diesmal einen Hauch besser bewertet. Grandios und mit fantastischen Comedy- und Slapstick-Fähigkeiten zeigte sich dabei vor allem Lehrer Christofer, der sich mitten in einer Prüfung in Rage redete und die Schüler der Klasse 5b derbe zusammenfaltete.

Das Finale zwischen Reiner Holl, der noch einen „Traumabewältigungstext“ über Haarausfall nachlegte und Christofer, der diesmal das „Ministerium der Angst“ im Rahmen eines ernsten Textes heraufbeschwor, entschied nicht mehr die Jury, sondern das Publikum durch seinen Applaus. Hierbei machte schließlich Christofer mit „f“ knapp das Rennen und konnte die von Claudia Bäcker-Kirmse gestaltete „Goldene Feder“ sowie ein von den Lüdenscheider Nachrichten gestiftetes Preisgeld von 150 Euro entgegennehmen.

Ein Text des Gewinners wird zudem in Kürze in den Lüdenscheider Nachrichten veröffentlicht.

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