Plattdütsche Frönne: Schluss im Jubiläumsjahr

Otto Geck wird am Donnerstag, im goldenen Jubiläumsjahr, durch das letzte Treffen der Plattdütschen Frönne führen.

LÜDENSCHEID ▪ „Plattdütsche Frönne dreapet sieck Duonnersdag bi Huollwiag in Hiallersen“ – und das zum letzten Mal. Es ist ein Abschied mit Stil: Ihr goldenes Jubiläum nehmen die Plattdütschen Frönne zum Anlass, ihre monatlichen Treffen offiziell zu beenden.

Ein-, vielleicht zweimal im Jahr wird man noch zusammenkommen, hofft Otto Geck, der den Freundeskreis aus zuletzt elf Gleichgesinnten zusammenhielt. Doch es war immer mühsamer, die Gruppe zusammenzubringen, zumal die junge Generation kein Interesse mehr am Bewahren der sprachlichen Wurzeln ihrer Heimatregion mit all ihren Spielarten zeigt. In Otto Gecks Kindheit war das noch anders. Der 82-Jährige wuchs „an der Lüdenscheider Peripherie auf“, die Eltern waren Landwirte. „Da wurde nur Plattdeutsch gesprochen“, sagt er. Das Hochdeutsche hat er trotzdem gelernt. Erst viel später stieß er zu dem Freundeskreis, der sich seit eh und je im Haus Hollweg in Hellersen traf. Das war vor fast 30 Jahren; der Kaufmann bei der Stadtkasse war einer der jüngsten in der Runde. „Wir haben uns aus Spaß an der Freud’ getroffen“, erzählt er, „wir haben keine Forschung angetrieben.“ Geselligkeit war wichtig, hin und wieder Vorführungen und Vertellekes, Sketche und Döunkes. Anlässe genug für Zeitungsberichte, die seit Jahrzehnten eine Überschrift verband: „Droht das Plattdeutsche bei uns auszusterben?“

In den 50er Jahren, so erinnern sich die Frönne, galt das Plattdeutsch als rückständig und provinziell. Vertriebene und Flüchtlinge brachten ihren eigenen Dialekt mit. Eine Gruppe um Wilhelm Matthäus und Max Crummenerl machte es sich zur Aufgabe, dem entgegenzuwirken. Vier Jahre nach der Gründung 1961 zählte man 113 Teilnehmer; mehr wurden es nie. Ihr Motto: „Vi wett uns am Klang un diar Schöinheit diar ollen Sproke erfreuen. Dat es se wäht!“ Doch Wertschätzung blieb Sache des alten Kreises, der über die Jahre und Jahrzehnte ausdünnte. „Es ist gut jetzt“, zieht Otto Geck den gebotenen Schlussstrich. Alles hat seine Zeit: „Op Wierseihn.“

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