Plastiktüten: Nicht mehr überall kostenfrei

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Den Wochenmarkt-Händlern Hans Werner Müller (l.) und Lothar Klimke sind die bunten Tüten eigentlich ein Dorn im Auge. Doch viele Kunden möchten nicht darauf verzichten.

Lüdenscheid - Sie sind praktisch und schnell bei der Hand. Sie sind nicht verboten, aber deshalb nicht weniger umweltschädlich. Die Rede ist von der Plastiktüte. Während viele Geschäfte mittlerweile einige Cents dafür verlangen, gibt es die Tüten auf dem Wochenmarkt nach wie vor kostenfrei.

„Wir haben in der IG Wochenmarkt schon einmal über Alternativen nachgedacht. Aber für ökologisch nachhaltige Tüten müssten wir Geld verlangen – und dafür hätten viele Kunden kein Verständnis“, erzählt Händler und IG-Sprecher Hans Werner Müller, dem die dünnen bunten Tüten durchaus ein Dorn im Auge sind. „Ich bedaure das sehr, aber die Gesellschaft ist anscheinend noch nicht so weit.“ Und sein Kollege Lothar Klimke berichtet, dass selbst bei seinen Fahrten bis vor die Haustür nur die wenigsten ihre Kartoffeln mit dem eigenen Beutel abholen. „Einigen Leuten ist gar nicht bewusst, was die Tüten für einen Schaden anrichten.“

Aber es gibt auch positive Beispiele: „Mit Plastik habe ich nichts zu tun, ich habe immer einen Beutel oder Korb dabei“, sagt beispielsweise Wochenmarkt-Besucherin Sabine Balz. Und auch das Ehepaar Teßmer geht nie ohne Korb über den Markt. „Ich hätte auch dafür Verständnis, wenn für eine Tüte Geld verlangt würde“, so Brigitte Teßmer. Burak Yildiz vom Obst- und Gemüsestand Yildiz erzählt von dem Versuch, komplett auf kostenpflichtige Papiertüten umzusteigen. „Aber das hat nicht funktioniert, die Leute waren nicht bereit, das zu zahlen.“ Und so hält er nach wie vor sowohl Plastiktüten als auch kostenfreie kleine Papiertüten für seine Kunden bereit. Derzeit noch keine Alternative zur Plastikverpackung sieht Fischhändler Michael Becker – muss er doch strenge Hygienerichtlinien einhalten. „Der Gedanke, auf Plastiktüten zu verzichten, ist ja gut, aber für eine Umsetzung müssten noch einige Faktoren verändert werden.“

Im Einzelhandel sind bereits viele Geschäfte dazu übergegangen, für Tüten Geld zu verlangen. So weist der Saturn-Markt seine Kunden deutlich lesbar auf die Umstellung hin: „Ziel ist es, die Umwelt ein wenig von der Plastik-Tüten-Flut zu entlasten“, heißt es da. Und auch im Drogerie-Markt Müller werden die Tüten nur noch gegen einen Betrag von 5 bis 15 Cent angeboten. „Viele Kunden akzeptieren das, überlegen sich aber zwei Mal, ob sie jedes Mal eine neue Tüte kaufen“, erklärt Daniel Kirchhoff. „Umweltbewusst einkaufen – Machen Sie mit!“, lautet dort das Motto.

Und auch bei „MyToys“ hätten sich die Kunden auf die kostenpflichtigen Tüten eingestellt. „Nach einer Testphase in einer anderen Filiale haben wir vor etwa sechs Wochen umgestellt“, erklärt Filialleiter Frank Steiner. Vier Tütengrößen sind noch zu haben – für einige Cents. „Die die meisten Kunden haben sich damit arrangiert.“

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