Plädoyers am Landgericht: Anträge liegen weit auseinander

Lüdenscheid - Ein Lüdenscheider Bauunternehmer, seine Frau und deren Wirtschaftsberater sind wegen Betruges und Bestechung angeklagt. Ein Ex-Bediensteter der Kreisverwaltung muss sich wegen Bestechlichkeit verantworten. Es geht unter anderem um gefälschte Kreditanträge an die NRW-Bank.

Der Bauträger soll – geht es nach Staatsanwältin Melanie Hantke – für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis, sein Berater für zwei Jahre und fünf Monate. Der Ex-Sachbearbeiter aus dem Kreishaus soll mit einer Strafe von zwei Jahren auf Bewährung davonkommen, die Gattin des Bauträgers mit einer Geldstrafe von 2400 Euro. Das ist die Quintessenz aus dem einstündigen Plädoyer der Anklägerin.

Mehr als 1,7 Millionen Euro hat die öffentlich rechtliche NRW-Bank an Bauherren aus Lüdenscheid und Umgebung verliehen – und wurde getäuscht. Denn den Empfängern standen die zinsgünstigen Kredite nicht zu. Die mutmaßlichen Urheber der Trickserei mit gefälschten Anträgen und vorgetäuschtem Eigenkapital haben weitgehende Geständnisse abgelegt und äußern vor der Urteilsverkündung am Donnerstag Bedauern und Reue.

Viel wortreicher plädieren die Verteidiger teilweise für weitaus geringere Strafen. Rechtsanwalt Christian Weyer sagt, sein Ziel für den Ex-Kreisbediensteten sei ein Strafmaß gewesen, dass zur Bewährung ausgesetzt werden kann. „Dafür hat er seinem alten Verbündeten den Rücken zugekehrt – und sich nicht beliebt gemacht.“

Dominik Petereit als Verteidiger des Bauträgers plädiert ebenfalls für eine Bewährungschance. Sein Mandant habe keine Unrechtsvereinbarung mit seinem langjährigen Freund im Kreishaus getroffen – sondern nur fürs fachkundige Ausfüllen der Förderanträge bezahlt. Außerdem leiste er Wiedergutmachung an die NRW-Bank.

Der Wirtschaftsberater soll laut Verteidiger Dr. Frank Nobis „deutlich milder“ bestraft werden als der Ex-Beamte. „Mein Mandant war nur der Laufbursche für die Drecksarbeit.“ Und für die Unternehmersgattin, der Beihilfe zur Vollstreckungsvereitelung angeklagt, fordert Verteidigerin Kirsten Petereit Freispruch. Es sei legal gewesen, dass ihr Mann sein Privatvermögen absichert. „Wenn es keine Haupttat gab, dann gab es auch keine Beihilfe.“

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