Zu hohe Zusatzinvestitionen und drohende Verzögerungen

Piepenstock verzichtet auf einen Neubau im Oedenthal

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Kein Platz, um sich auszudehnen: Der jetzige Standort des VW-Betriebes zwischen Luther- und Friedhofstraße bietet dem Familienunternehmen keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr.

Lüdenscheid - Das Autohaus Piepenstock (VW/Seat) wird am vorgeschlagenen Standort Heedfelder Landstraße/Oedenthaler Straße keinen Betrieb errichten. Das teilte Dr. Michael Piepenstock mit. Das Areal komme aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage, begründete der Geschäftsführende Gesellschafter der Piepenstock Holding die Entscheidung.

Die zusätzlichen Investitionen allein in die Grundstücksvorbereitung würden sich nach Berechnungen auf mehr als zwei Millionen Euro belaufen. Grundstücksbegradigung und -terrassierung, Roden des Waldes und Aufforsten, Verbreiterung und Begradigung der Oedenthaler Straße sowie der Ausbau der Straßenkreuzung für Zufahrt samt Signalanlage – das und weitere notwendige Maßnahmen hätten sich nach eingehenden Machbarkeitsuntersuchungen und Kostenkalkulationen summiert.

Zudem ließen die Reaktionen der Bürgerinitiative „Pro Oedenthal“ massive Einsprüche erwarten, wodurch sich das Genehmigungsverfahren über Jahre hinziehen und weitere Folgekosten verursachen dürfte. Das alles führte nun zu der Entscheidung, den von der Stadtverwaltung ins Gespräch gebrachten Standort Oedenthal nicht weiter zu verfolgen.

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Andere Standortoptionen waren bislang ebenfalls an zu hohen Kosten gescheitert. Das Dilemma bringt Dr. Piepenstock auf den Punkt: „Da dies den geplanten Investitionsrahmen des Familienunternehmens übersteigen würde und die Automobilmarken zwar dezidierte Architektur- und Standortvorgaben machen, jedoch sich überhaupt nicht an den Kosten beteiligen, ist dieses Neubauvorhaben nicht umsetzbar.“ Nun geht also die Suche nach einem geeigneten Grundstück in die nächste Runde.

Streit vorm Verwaltungsgericht

Auslöser für das Hin und Her war bekanntlich die Ausübung des Vorkaufsrechtes der Stadt für das zu dem Zeitpunkt bereits durch Dr. Piepenstock von Novelis erworbene Gelände an der Wiesenstraße. Hierfür allerdings habe die Stadt die seit Mitte Januar 2018 eigentlich anstehende Vertragsumschreibung nebst Bezahlung des Kaufpreises bisher nicht geleistet, sagt Dr. Piepenstock. Begründet werde dies mit laufenden juristischen Auseinandersetzungen. Der Streit zwischen dem Autohaus und der Stadt beschäftigt derzeit das Verwaltungsgericht.

Dr. Michael Piepenstock.

Tief sitzt bei dem Familienunternehmer nach wie vor der Ärger über die Vorgehensweise der Stadt: „Inwieweit die hiesige Feuerwehr von derzeit etwa fünftausend Quadratmetern auf dann etwa 22.500 Quadratmeter Grundstücksfläche erweitern muss, obwohl die bisher am Dukatenweg integrierte Kreisleitstelle (beansprucht ca. 750 Quadratmeter) in den kommenden drei bis fünf Jahren in einen Neubau für über 22 Millionen zur Rosmart ausgelagert wird, ist in einer Stadt mit weiterhin rückläufigen Einwohnerzahlen fragwürdig. Ferner werden zwei bis drei neue Feuerwehr-Gerätehäuser innerhalb der Stadtgrenzen gebaut.“ Möglicherweise benötige die Stadt also doch nicht das ganze Gelände, vermutet Dr. Piepenstock. Und am Ende diene eine Teilfläche dann womöglich nur noch der Parkplatzerweiterung für Anrainer. So oder so dürften Jahre ins Land gehen, bevor an der Wiesenstraße etwas geschieht.

Platznot verschärft sich

Derweil verschärft sich die Platznot am Standort Lutherstraße zusehends. Hier sei das Problem auch, dass das Autohaus durch die neue Verkehrsführung an der Friedhofsstraße zusätzlich abgeschnitten sei. Daher habe er sich darum bemüht, bis zum Baubeginn an der Wiesenstraße – was sich nach Piepenstocks Ansicht noch sechs bis acht Jahre hinziehen könnte – das Gelände wenigstens für seine Gebrauchtwagen-Freiausstellung sowie als Auto-Abstellfläche anmieten zu können: „Das würde mir sehr helfen.“ Die Stadt Lüdenscheid habe ohne Angabe von Gründen abgelehnt.

Also geht die Suche nach Lösungen zunächst weiter. Dr. Piepenstock zeigt sich dabei „gespannt auf die viel proklamierte, tatkräftige Unterstützung bzw. Wirtschaftsförderung seitens der Verwaltung, Politik und des Rates bei der weiteren Grundstückssuche, denn bisher habe ich nur erfahren, warum und wo es nicht genehm ist, ein Autohaus zu bauen“.

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