FB-Post zum Fußballderby

Unverständnis für Pickard-Kommentar: „Unentschuldbare Entgleisung“

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Lüdenscheid - Er selbst spricht von einer „unentschuldbaren Entgleisung auf Facebook während der hitzigen Phase des Derbys“, die Jusos in Lüdenscheid zeigen sich empört, SPD-Landtagsabgeordneter Gordan Dudas betrachtet die Angelegenheit nach der öffentlichen Entschuldigung mittlerweile für erledigt: René Pickard, kooptiertes Vorstandsmitglied der Lüdenscheider CDU, hat mit seinem Kommentar im Sozialen Netzwerk Facebook für Aufsehen gesorgt. Mittlerweile ist der „Post“ gelöscht, auf seiner Seite findet sich eine Entschuldigung.

Pickard hatte während des Fußballderbys zwischen dem BVB und Schalke 04 am Sonntag auf seiner persönlichen Facebook-Seite die Schalke-Fans beschimpft und zudem den Satz „Eine U-Bahn bauen wir...“ mit „von Gelsenkirchen bis nach ... Brüssel! Eine U-Bahn bauen wir!“ ergänzt.

René Pickard

Im Originaltext heißt es: „Eine U-Bahn, eine U-Bahn bauen wir, von Jerusalem bis nach Auschwitz, eine U-Bahn bauen wir!“ Im Kontext des Fußballs werde Jerusalem oft durch die Heimatstadt der gegnerischen Mannschaft ersetzt. Mittlerweile hat es bereits Urteile wegen Volksverhetzung gegen Menschen gegeben, die dieses Lied öffentlich gesungen hatten. 

Nach Bekanntwerden dieses Kommentars, der im Netz auf viel Unverständnis stieß, ging Pickard in die Offensive und entschuldigte sich für sein Fehlverhalten. „Das war eine unentschuldbare Entgleisung, für die ich dennoch den Versuch unternehmen möchte, mich zu entschuldigen“, machte Pickard im LN-Gespräch deutlich. Die Aussagen seien so nicht gemeint gewesen, er sei im Fußballfieber übers Ziel hinaus geschossen. „Es tut mir sehr leid“, so Pickard, der betonte, dass er fest auf dem Fundament des Grundgesetzes stehe.

Das bestätigte am Dienstag auch CDU-Vorsitzender Ralf Schwarzkopf: „Ich habe natürlich Null Verständnis dafür, so etwas zu posten, das ist dumm. Dennoch weiß ich, dass René Pickard mit dem rechten Gedankengut nichts am Hut hat. Davon ist er inhaltlich ganz weit weg.“ Neben der öffentlichen Entschuldigung sowie einer bereits geleisteten Spende an die Lebenshilfe Gelsenkirchen habe Pickard laut Schwarzkopf auf eigenen Wunsch auch die Kooptation im Lüdenscheider CDU-Vorstand aufgegeben. Pickard ist auch stellvertretender Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU in Lüdenscheid.

„Unter Fußballfans geht es mal derber zu. Aber auch hier muss es Grenzen geben. Die Verharmlosung des Holocaust und die sinngemäße Übertragung in einem Fangesang, man wolle die gegnerische Seite eben nach Auschwitz schicken, gehört sicherlich nicht dazu“, heißt es in der Stellungnahme der Jusos. 

Und: „Angesichts der Terroranschläge in Brüssel erscheint der von CDU-Vorstand Pickard verwendete U-Bahn-Gesang ebenfalls widerlich. Nichts spricht gegen eine gesunde Fankultur und den Streit von Fangemeinden. Dennoch: Unser demokratischer Rechtsstaat endet nicht mit dem Eintritt in ein Fußballstadion. Alles andere wäre eine falsche Entschuldigung für Antisemitismus und Rassismus.“ Auch Gordan Dudas verurteilte die „Entgleisung“, veröffentlichte aber auf Bitte Pickards auf seiner Seite dessen Entschuldigung: „Dem komme ich selbstverständlich gerne nach. Für mich hat sich die Angelegenheit damit erledigt.“

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