Philipp Rösler: Werbung für den Wandel

Wirbt für Veränderungen im deutschen Gesundheitssystem: Bundesminister Philipp Rösler.

LÜDENSCHEID ▪ Guido Westerwelle gilt als Mann markiger Worte. Sein Kabinettskollege Philipp Rösler eher nicht. Vom Tonfall her wirkt der Bundesgesundheitsminister, der wie kürzlich Westerwelle anlässlich des Wahlkampfs jetzt in Lüdenscheid Station machte, fast wie ein Gegenmodell zum FDP-Parteichef.

Gleichwohl hat auch der 37-jährige Gesundheitspolitiker und gelernte Arzt bereits für einiges Aufsehen gesorgt. Mit seinem Vorstoß pro Kopfpauschale etwa. Mit seiner Idee, den Numerus clausus abzuschaffen, um somit den Zugang zum Medizinstudium zu erleichtern. Und vor allem auch mit seiner Offensive zur Senkung der Arzneimittelkosten in Deutschland – woraufhin ihn manche gar zu einer Art Zähmer der Pharmaindustrie erklärten.

Diese Beispiele zeigen: Mit dem deutschen Gesundheitssystem in seiner aktuellen Verfassung ist Rösler nicht einverstanden. Das machte er auch bei seinem Lüdenscheider Auftritt in der Schützenhalle deutlich. Rund 100 Besucher, darunter viele Ärzte, hörten zu und diskutierten mit.

Computer gibt das Budget vor

Eine der Diagnosen Röslers dabei zur momentanen Situation: Die Stimmung unter den rund fünf Millionen Beschäftigen im deutschen Gesundheitssystem sei mitunter von Unzufriedenheit und einem Gefühl „unfairer Konkurrenz“ geprägt: „Bisher hat der Findige Erfolg, nicht unbedingt der Leistungsfähige.“ Ein anderer Vorwurf Röslers an gegenwärtige Realitäten: „Der Computer gibt das Budget vor.“

Überhaupt hält der FDP-Minister die Bürokratie im Gesundheitswesen für eines der drängendsten Probleme: „Vor allem die Geisteshaltung, die hinter der Bürokratie steht, muss sich verändern.“

Ärztemangel im ländlichen Raum droht

Ohne tiefer in die Details einzusteigen, stellte Rösler in diesem Kontext folgende Forderungen auf: „Das Vertrauen in medizinisches Personal muss eine Aufwertung erfahren, staatliche Vorgaben müssen verringert werden, die Eigenverantwortung muss mehr Stellenwert haben.“

Den Kern einer gesetzlichen Krankenversicherung sieht Rösler derweil so: „Die starken Gesunden helfen den schwachen Kranken. Das bedeutet Solidarität. Ein Ausgleich zwischen Arm und Reich muss anderswo stattfinden – im Steuersystem.“

Ein anderer Gedanke Röslers gilt der flächendeckenden Versorgung mit Ärzten. Gerade im ländlichen Raum drohen künftig Lücken. Um einem Ärztemangel zu begegnen, kann sich Rösler auch die Aufhebung des Numerus clausus vorstellen: „Gute Noten allein machen noch keine guten Ärzte.“

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