Phänomenta:75-Meter-Turm soll in zwei Jahren stehen

75 Meter hoch soll die Edelstahl-Konstruktion des Pendelturms über Lüdenscheid aufragen. Das Gebäude, das ihn aufnimmt, soll 2013 stehen, der Turmbau im Frühjahr 2014 beginnen.

LÜDENSCHEID ▪ Was für Paris der Eiffelturm ist, kann für Lüdenscheid das Foucaultsche Pendel werden: ein herausragendes Wahrzeichen. Unsere Zeitung ließ sich jetzt die aktuellsten Pläne erläutern.

In seinem weithin sichtbaren, 75 Meter hohen Turm aus lauter Dreiecken soll das Pendel in faszinierenden Lichtspielen staunenden Besuchern der Phänomenta die Drehung der Erde vor Augen führen. Der Altenaer Baumeister Linus Wortmann (kkw Architekten) plante dafür einen Turm, der aus jedem Blickwinkel anders aussieht. „So etwas“, sagt er, „baut man nur einmal im Leben.“

Anfang 2014 soll sich die Edelstahl-Konstruktion über Lüdenscheid erheben. Bis dahin steht auch der Sockel – das Eingangsgebäude, aus dem heraus der Turm in die Höhe steigt. Mit dem Rohbau will Wortmann im Frühjahr beginnen. „Wenn wir 2015 Eröffnung feiern können, haben wir alle einen guten Job gemacht“, erklärt Frank Kuschmirtz, Koordinator der Phänomenta-Erweiterung, die auch für Andreas Beckmann (ZGW) zur Hauptaufgabe geworden ist.

Der jetzt genehmigte Turmbau für 1,8 Millionen Euro besteht aus vier Elementen: dem Erweiterungsgebäude als Sockel, der Stahlkonstruktion aus bis zu 18 Meter langen Röhren, darin einer Reuse aus Kunststoff als Wetterschutz und, baulich davon getrennt, dem Foucaultschen Pendel mitsamt Gerüst.

„Der Turm muss bis zu 25 Zentimeter schwanken können, auch die Reuse bewegt sich leicht im Wind, was die Schwingung des Pendels beeinflussen würde“, erläutert Linus Wortmann. Daher stehe das Pendel auf eigenen Beinen. Die Kugel schwingt an einem 30-Meter-Seil – das Lüdenscheider Pendel wird halb so lang wie das Vorbild im Pariser Panthéon. „Wir wollten keine Kopie oder das größte Pendel der Welt bauen, sondern das am einfachsten zu verstehende“, beschreibt Wortmann. „Für Erläuterungen sorgen im zweistöckigen Sockelgebäude Miniaturen und Experimente.“

Die Membran der schützenden Hülle besteht aus wetterfestem Kunststoff, der auch für Stadiondächer verwendet wird. Die horizontalen Ebenen der Reuse formte Wortmann dreieckig, passend zum Stahlturm. „Der Turm wird vom Gebäude, das er um 65 Meter überragt, optisch geerdet.“ Auch die Dachelemente sind dreieckig.

„So eine Röhrenkonstruktion findet man vielleicht noch beim Brüsseler Atomium“, sagt Kuschmirtz. Und schmunzelt: „Das ist echt Copyright by Lüdenscheid.“

Das soll erst recht für das Innenleben gelten, das Linus Wortmann gerade mit Phänomenta-Physiker Johannes Pöpping plant: Ein Blick, 40 Meter in die Höhe. Ein Traum aus Farben. Eine verspiegelte Decke, die das Loch fürs Pendelseil wie einen Diamanten funkeln lässt. Eine Kugel, die aus sich heraus leuchtet, wenn sie über den Köpfen der Besucher schwingt. Und eine Video-Installation, die laufend Kamerabilder von oben an die Wände wirft: So atemberaubend stellt sich Johannes Pöpping den Pendelturm von innen vor.

Doch zuvor muss das Grüber-Gebäude zu Boden gehen: Die Abbruchgenehmigung liegt vor, der Abriss soll im ersten Quartal 2013 erfolgen. Noch im Laufe des Jahres soll der Rohbau stehen, im Frühjahr 2014 der Turm folgen. Der Innenausbau wird nochmals ein Jahr in Anspruch nehmen. „Natürlich wird es auch Probleme geben, die wir im Team aber lösen werden“, verspricht indes Koordinator Frank Kuschmirtz.

Denn auch in der heutigen Phänomenta muss umgebaut werden. Ihr Eingang ist auf die Bahnhofsseite zu verlegen, das neue Technikzentrum zieht dort ein, wo heute der „Saal des Lichts“ steht. Das kleine ehemalige Steinmetzgebäude wird bald als Werkstatt für die Phänomenta-Stationen dienen, denn dort, wo sie heute ist, wird das Café eingerichtet, größer und schöner – für 10 000 statt 6000 Besucher im Jahr.

Um die Belästigungen des laufenden Betriebs so klein wie möglich zu halten, teilten Wortmann und Kuschmirtz den Umbau in sieben kleine Abschnitte ein. „Trotzdem: Das wird richtig Krach machen.“

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