Schulklassen sind im November willkommen

Im Lockdown von der Schulbank ins Museum

Phänomenta Lüdenscheid Torsten Schulze Lockdown November
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Torsten Schulze war am Wochenende vor Ort, um notfalls die Reißleine zu ziehen und das Haus zu schließen.

Die Reißleine ziehen musste Torsten Schulze, Geschäftsführer der Phänomenta, zwar am Wochenende nicht, aber das Haus war gut gefüllt, war doch fürgestern der erneute Kahlschlag inner- halb der Kultureinrichtungen Lüdenscheids angesagt. Ebenso wie die Städtische Galerie mit einer öffentlichen Sonntagsführung durch die Hoehma-Ausstellung hatte man sich im Wissenschaftsmuseum dazu entschlossen, quasi bis zum letzten Moment das Haus offen zu lassen.

Lüdenscheid - „Das war alles abzusehen, die Infektionszahlen kann man überall nachlesen“, sagt Schulze. Beim ersten Mal sei der Lockdown unerwartet gekommen. „Da war keiner drauf vorbereitet. Aber das ist jetzt anders“, reiht sich der Phänomenta-Chef in die Reihe derer ein, die einem Lockdown-Light im November relativ gelassen entgegen sehen.

„Ich hab dem Stiftungsrat ganz klar gesagt, dass der Oktober wichtiger ist als der November“, verweist Schulze darauf, dass die Umsatzzahlen im Oktober ohnehin höher seien. Das läge unter anderem an der Besucherzahl in den Herbstferien. Und wagt sogar vorsichtigen Optimismus: „Wir haben ein gutes Hygienekonzept. Vielleicht kommen die Leute ja im Dezember mehr zu uns, wenn es zum Beispiel keine Weihnachtsmärkte gibt.

Die vom Bund in Aussicht gestellten Zuschüsse hält er für Augenwischerei. Das habe ja beim ersten Mal schon nicht geklappt „wenn ich höre, dass das Gelder sind, die beim ersten Mal nicht abgerufen wurden, da werde ich skeptisch. Da überhaupt Geld zu bekommen, war sehr kompliziert.“ Wie viel von dem von der Stadt Lüdenscheid zugesagten Liquiditätszuschuss er wirklich anknabbern müsse, weiß er noch nicht. Am Samstag konnte Schulze viele Gäste begrüßen, für Sonntag gab es Ticketkäufe im Vorfeld. Einen besonderen Ansturm verzeichnete er allerdings nicht.

Noch vor der Ratssitzung im Oktober hatte der Geschäftsführer des Wissenschaftsmuseums Alarm geschlagen. Der Shutdown im Frühjahr habe dazu geführt, dass die Phänomenta für rund sieben Wochen geschlossen werden musste, hieß es in einer Vorlage, mit der sich die Ratsmitglieder in ihrer Sitzung beschäftigten. Denn die Phänomenta brauchte die Bereitstellung eines Liquiditätszuschusses in Höhe von 150 000 Euro, damit bei einer erneuten Verschlechterung der Besucherzahlen schnell Mittel durch die Stadt gewährleistet sind.

Schulklassen sind auch während des Lockdowns willkommen in der Phänomenta, da es sich dann um Unterricht handelt.

Mindereinnahmen aus dem Café-Verkauf, fehlende Kindergeburtstage, keine Veranstaltungen,kaum Sponsoring, dafür aber ein erhöhter Personalbedarf, um das Hygienekonzept zu erfüllen, und die Fixkosten, umdie Experimentiertierstationen in Schuss zu halten – das alles sorgte für eine erhebliche Finanzlücke. So genehmigte der Rat Anfang Oktober, für 2020 den Liquiditätszuschuss für die Phänomenta um 150 000 Euro auf insgesamt 450 000 Euro zu erhöhen. Doch schon vor gut vier Wochen, sagte Schulze, das der Betrieb nur weiter funktioniert, dass es keinen weiteren Shutdown geben wird.

Wir bereiten eine neue Sondersausstellung zum Thema ,Energiewende’ vor, die von Dezember bis Februar 2021 zu sehen sein wird“

Torsten Schulze

Am Montag stand erst einmal ein Kernteambesprechung auf dem Programm, um auszuloten, wer im November welche Aufgaben übernimmt. Um Kurzarbeit wird man auch in der Phänomenta nicht herumkommen, die soll aber so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden. Im November gibt es für die Phänomenta-Mitarbeiter noch Einiges zu tun. „Wir bereiten eine neue Sondersausstellung zum Thema ,Energiewende’ vor, die von Dezember bis Februar 2021 zu sehen sein wird“, so Schulze. Schulklassen werden nach Anmeldung die neue Ausstellung bereits während des Lockdowns besichtigen können, da es sich dabei um Schulunterricht handelt, der weiter möglich ist. Allerdings kann jeweils nur eine Klasse die Phänomenta-Räume betreten. „Ferner bieten wir mobile Experimente für Schulklassen, so genannte ,Neugierkisten’, während des Lockdowns an“, so Schulze. Klassenlehrer, die diese für den Unterricht ordern möchten, wenden sich an die Phänomenta (Tel. 0 23 51/2 15 32).

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