Der Phänomenta geht das Geld aus

Corona schlägt voll durch: Phänomenta braucht dringend Hilfe

Phänomenta Pendel Lüdenscheid Science Center
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Die Phänomenta bittet um einen Liquiditätszuschuss. Die Pandemie reißt ein großes Loch in die Kasse.

Der Arbeitsauftrag war klar: Als Torsten Schulze 2018 als Betriebsleiter und Geschäftsführer der Phänomenta antrat, war das Ziel, das Wissenschaftsmuseum wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Nicht zuletzt die Investitionen in die Phänomenta machten eine neue Marketingstrategie notwendig.

Lüdenscheid - „Haben wir gemacht“, sagt der Betriebsleiter heute, „der humanoide Roboter, die Ochsentour durch die Lehrerschaft, Schüler zur Phänomenta zu bringen, Digitalisierung, ein offensives Marketing.“ Zu den Kernaufgaben, so der Betriebsleiter bei seinem „Amtsantritt“, gehörte, die Phänomenta als außerschulischen Lernort zu präsentieren. Das schloss den persönlichen Besuch in vielen Schulen und Bildungseinrichtungen ein: „2018 und 2019 waren dafür gedacht, neue Formate auszuprobieren. Und das ist uns gelungen – bis Corona kam.“

Der Shutdown habe dazu geführt, dass die Phänomenta für rund sieben Wochen geschlossen werden musste, heißt es in einer Vorlage, mit der sich die Ratsmitglieder in ihrer Sitzung am Montag im Kulturhaus beschäftigen müssen (17 Uhr). Denn die Phänomenta braucht die Bereitstellung eines Liquiditätszuschusses in Höhe von 150 000 Euro, damit bei einer erneuten Verschlechterung der Besucherzahlen schnell Mittel durch die Stadt gewährleistet sind.

Am Dienstagnachmittag stellte Torsten Schulze die entsprechenden Zahlen dem Stiftungsrat vor. Die letzte Schulklasse sei im März in der Phänomenta gewesen. Die Corona-bedingte Schließung und weitere sieben Wochen nur am Wochenende geöffnet – nun klaffe eine Finanzlücke zwischen hundert- und hundertfünfzig Tausend Euro: „Das auch sind Mindereinnahmen aus dem Café-Verkauf. Oder aus fehlenden Kindergeburtstagen. Auch die Unternehmer halten sich zurück, machen keine Veranstaltungen bei uns. Und mit dem Ausfall der Unternehmer fallen auch mögliche Sponsoren weg“, sagt Schulze. Hinzu komme auf der anderen Seite beispielsweise ein erhöhter Personalbedarf.

Hygienekonzept ist teuer

Das Hygienekonzept zu erfüllen, „kostet reichlich“. Drei zusätzliche Kräfte sorgen in jeder Schicht für die Einhaltung der Vorschriften. Man habe natürlich versucht, die Kosten herunter zu fahren, aber die Fixkosten bleiben trotzdem: die Wartung der Ausstellung, die Instandhaltung der Experimentierstationen – „das habe ich dem Stiftungsrat erläutert. Ich halte das für ein falsches Signal, jetzt die Phänomenta zu schließen. In anderen Häusern ist das schon so. Corona war nicht vorhersehbar. Aber Aktivitäten zu bieten, ohne mit Corona in Konflikt zu kommen, ist schwierig.“

Die Fixkosten für die Wartung der Experiementierstationen sind hoch, die mit dem Hygienekonzept verbundenen Kosten ebenso.

Unterm Strich sind gegenüber dem aktuellen Wirtschaftsplan Umsatzeinbußen von etwa 50 Prozent entstanden. Trotz der Inanspruchnahme der staatlichen Hilfen zur Minderung der wirtschaftlichen Folgen durch die Pandemie und der Kurzarbeit für alle Mitarbeiter von April bis Juni konnten diese Umsatzeinbußen nicht abgefangen werden.

 Auch die Unternehmer halten sich zurück, machen keine Veranstaltungen bei uns. Und mit dem Ausfall der Unternehmer fallen auch mögliche Sponsoren weg

Torsten Schulze

So lautet der Beschlussvorschlag der Verwaltung am Montag im Rat, für 2020 den Liquiditätszuschuss für die Phänomenta um 150 000 Euro auf insgesamt 450 000 Euro zu erhöhen. Die erforderlichen Aufwendungen, so heißt es weiter, könnten durch außerordentliche Erträge in entsprechender Höhe im Haushalt 2020 gedeckt werden. Eine Sofortmaßnahme sozusagen, die, sagt Schulze, allerdings nur unter dem Vorbehalt funktioniert, dass es keinen weiteren Shutdown geben wird.

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