„Pflegenote ist nur ein zusätzlicher Baustein“

LÜDENSCHEID ▪ Nach der jüngsten Benotung des Johanneshauses an der Harlinger Straße, das, wie berichtet, durch den Medizinischen Dienst mit der Pflegenote 3,8 beurteilt wurde, ist das Bewertungsverfahren als solches erneut in die Kritik geraten.

Das Führungsteam beklagt, dass die Dokumentation über die Behandlung der Bewohner überproportional gewichtet werde, ihr „Sich -Wohl-und-Geborgen-Fühlen“ in der Einrichtung aber nicht in die Gesamtwertung einfließe. Dies hatten in den LN auch schon die Leiter anderer Pflegeheime, die bereits benotet worden waren, gerügt. Detlev Röhle, Leiter des Dietrich-Bonhoeffer-Altenzentrums, hatte in diesem Zusammenhang eine andere Herangehensweise gefordert: „Wir brauchen dringend ein Prüfungskonzept, das sich am Pflege- und Zufriedenheitszustand der Menschen orientiert und nicht am Papier.“

Das würde Dr. Barbara Gansweid, Leiterin des Fachreferates Pflege beim Medizinischen Dienst des Landesverbandes Westfalen-Lippe (LWL), zwar genau so nicht unterschreiben. Aber sie sieht durchaus Verbesserungsbedarf. „Einige Punkte der Befragung sind sicherlich unglücklich formuliert, aber die Dokumentation spielt schon eine große Rolle. Wie soll denn sonst die Pflege eines Bewohners bei wechselnden Schichten mit unterschiedlichen Pflegekräften erfolgen? Das kann ja keiner alles im Kopf haben.“ Dass zwischen Prüfung und Veröffentlichung eines Berichtes ein so langer Zeitraum liege – das Johanneshaus wurde vor gut einem Jahr überprüft und erst jetzt der Prüfungsbericht veröffentlicht – habe terminliche Gründe, sei aber sicherlich nicht ganz glücklich. Grundsätzlich habe die Einführung der Benotung von Pflegeheimen landesweit aber innerhalb eines Jahres bereits den Notendurchschnitt in den Heimen von 2,6 auf 2,2 verbessert. Nächstes Jahr werde jede Einrichtung erneut überprüft. „Wenn dies zu einer weiteren Verbesserung führt, ist das doch positiv. Dennoch ist die Benotung nur ein Baustein für mehr Transparenz. Die Angehörigen können sich ja auch vor Ort in den Heimen persönlich ein Bild machen.“ Das Bewertungssystem werde zurzeit in Gesprächen zwischen dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen und dem Bundesverband der Leistungsanbieter, sprich: Träger ebenfalls einer Prüfung unterzogen. „Das bleibt in Bewegung.“

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