Unfrieden im Krankenhaus

Pflegepersonal in MK-Kliniken: Nicht alle erhalten die Corona-Prämie

Im Klinikum Hellersen verschwanden teure Geräte einer 100-jährigen Seniorin. Zahlen möchte den Schaden niemand.
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Im Klinikum Hellersen bekommen die Pflegekräfte die Corona-Prämie.

Die Märkischen Kliniken zahlen mit dem Dezember-Gehalt eine Corona-Prämie an einen Teil ihrer Mitarbeiter – allerdings erhalten das Geld nur Pflegekräfte des Klinikums Lüdenscheid, die Mitarbeiter der ebenfalls zum Konzern gehörenden Stadtklinik Werdohl gehen leer aus.

Märkischer Kreis - Das bestätigten die Märkischen Kliniken auf Anfrage. Der Grund ist ein gesetzliche Regelung, die zwar gut gemeint ist, aber laut der Gewerkschaft Verdi für Unfrieden und Ungerechtigkeit in den Belegschaften sorgt.

Nachdem Mitarbeiter in der Altenpflege bereits im Sommer einen Coronabonus von bis zu 1 500 Euro aus der Pflegekasse erhalten hatten, wollte der Gesetzgeber auch den Pflegekräften in den Kliniken, die von den Pandemie-Folgen besonders betroffen sind, eine finanzielle Anerkennung zukommen lassen. Im Oktober wurden daher durch das Krankenhauszukunftsgesetz und Änderungen des Krankenhausgesetzes (KHG) 100 Millionen Euro aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds freigemacht.

Die Auszahlung knüpften die Gesundheitspolitiker jedoch an Bedingungen. Ein Anspruch auf die Corona-Prämie haben demnach nur Mitarbeiter in Krankenhäusern, die während der ersten Welle eine Mindestzahl von Corona-Patienten abgerechnet haben.

Corona-Prämie nur für einen Bruchteil der Pflegekräfte

Kliniken mit weniger als 500 Betten mussten zwischen dem 1. Januar und dem 31. Mai mindestens 20 Covid-19-Patienten nachweisen. Kliniken mit mehr als 500 Betten bekommen das Geld, wenn bis Ende Mai mindestens 50 Patienten mit Sars-CoV-2-Nachweis behandelt wurden. Mit der Berechnung wurde das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (INEK) beauftragt. Im Ergebnis bekommen Pflegekräfte in nur 433 der 1 600 Kliniken in Deutschland die Corona-Prämie.

Im Märkischen Kreis ist die Situation ähnlich. Nur drei der zehn heimischen Krankenhäuser bekommen Geld aus der Liquiditätsreserve. Während die Trägergesellschaft Katholische Kliniken im Märkischen Kreis (St.-Vincenz-Krankenhaus Menden und St. Elisabeth-Hospital Iserlohn) Corona-Prämien in Höhe von 141 361,75 Euro erhalten, wurden dem Klinikum Lüdenscheid 251 318,04 Euro zur Verfügung gestellt.

Das bestätigten die Märkischen Kliniken auf Anfrage. „Diese Prämie muss bis zum 31. Dezember 2020 an die abgestimmten Beschäftigten ausgezahlt werden. Daher ist dies mit der Dezember-Abrechnung in diesem Jahr erfolgt“, sagt Klinikum-Sprecher Dr. Norbert Jacobs. Wie viele der Mitarbeiter die Corona-Prämie erhalten, dazu wollte sich das Klinikum nicht äußern und auch nicht dazu, wie hoch die Prämie je Mitarbeiter ausfiel.

Laut Gesetzgeber sind pro Pflegekraft bis zu 1 000 Euro Corona-Prämie steuerfrei denkbar. Welche Mitarbeiter wie viel Prämie erhalten, sollten die Krankenhausleitungen zuvor mit ihren Personalvertretungen erarbeiten. Einzelheiten dazu waren nicht zu erfahren – nur so viel: es wurden unterschiedlich hohe Corona-Prämien an verschiedene Mitarbeiter bezahlt. Im Klinikum Lüdenscheid sind 326 Mitarbeiter im ärztlichen Dienst und 826 Mitarbeiter im Pflegedienst beschäftigt,

Stadtklinik Werdohl liegt unter gesetzlich festgelegtem Schwellenwert

27 Beschäftigte im ärztlichen Dienst und 75 im Pflegedienst in Werdohl gehen dagegen in jedem Fall leer aus. „Die Stadtklinik Werdohl liegt unter dem gesetzlich festgelegten Schwellenwert von 500 Betten und konnte leider bei der Prämie nicht berücksichtigt werden. Zudem behandeln wir in Werdohl keine Covid-19-Patienten. Wenn Patienten dort als Covid-19-positiv auffallen, werden sie umgehend nach Lüdenscheid verlegt“, teilte Klinikum-Sprecher Jacobs mit.

In anderen Krankenhäusern wie in der Lungenklinik in Hemer, im Krankenhaus Bethanien in Iserlohn oder im Radprax-Krankenhaus in Plettenberg wurden zwar Corona-Patienten behandelt, für eine Ausschüttung der Prämie war die Fallzahl bis Ende Mai aber zu niedrig.

Dr. Thorsten Kehe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Märkischen Kliniken, steht den Regelungen zur Corona-Prämie ambivalent gegenüber: „Auch auf uns trifft dies teilweise zu, da unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtklinik Werdohl leider nicht berücksichtigt werden konnten. Auch diese hätten die Prämie nach dem KHG verdient – so wie die Beschäftigten der vielen anderen kleinen Krankenhäuser.“

Die Entscheidung der Bundesregierung, die Zuwendung an bestimmte Kriterien zu knüpfen, würdige aber nun „zumindest den unermüdlichen Einsatz hier in Lüdenscheid – auch wenn wir aufgrund der festgelegten Bedingungen nicht jedem Mitarbeiter eine Prämie zukommen lassen konnten, was wir sehr bedauern“, sagt Kehe.

Andere Prämien an Mitarbeiter zahlen die Märkischen Kliniken in diesem Jahr nicht. „Die meisten Krankenhäuser, so auch unsere beiden Häuser, befinden sich durch die langanhaltende Pandemie trotz Förder- und Hilfsprogramm wirtschaftlich in einer sehr angespannten Lage. Daher sind Prämien außerhalb dieser Sonderleistung und außerhalb des tariflichen Rahmens für uns kaum zu stemmen“, sagt der Geschäftsführer.

Seit Beginn der Pandemie wurden im Klinikum Lüdenscheid 314 Covid-19-Patienten stationär behandelt (Stand: 21. Dezember), bis Ende Mai waren es noch weniger als 100. Dennoch reichte es für die Corona-Prämie. Die Ausschüttungsbedingungen führten an anderer Stelle schon zu kuriosen Situationen. So erhielt das Pflegepersonal des St.-Josef-Hospitals in Bochum keinen einzigen Cent. Statt der erforderlichen 50 Covid-19-Patienten waren dort bis Ende Mai nur 49 behandelt worden.

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