Pflegedienste leiden unter hohen Spritkosten

Bernd Winkler, Chef des Pflegeteams im Sauerland, hat seine Fahrzeuge frühzeitig auf Flüssiggas umgerüstet.

LÜDENSCHEID ▪ Um rund 20 Prozent sind in den vergangenen Monaten die Kosten durch die höheren Spritpreise angestiegen, schätzt Myra Mani, Geschäftsführerin des Unternehmens „Mani Häusliche Krankenpflege“.

19 Wagen umfasst der Fuhrpark, mit denen rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die 160 Patienten aufsuchen. „Im Gesundheitswesen ist alles, was abzurechnen ist, vorgegeben. Da gibt es keinen Verhandlungsspielraum. Die Gesetze der freien Wirtschaft greifen hier nicht“, weiß die studierte Betriebswirtschaftlerin, die vor gut drei Jahren in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist. „Mit Rücklagen gleichen wir die Mehrkosten aus.“

Theobald Steffens, Chef des Ambulanten Pflegedienstes „Zu Hause“, erinnert daran, dass ja nicht nur die Spritkosten, sondern auch Wartung und Versicherung bezahlt werden müssen. „Deshalb werde ich Verhandlungen mit der Pflegekasse aufnehmen, um eine höhere Fahrkostenpauschale zu erreichen“, kündigt er an. Bisher liege die bei 1,67 Euro pro Einsatz. Maximal zwei Einsätze pro Tag dürfen abgerechnet werden. Steffens und sein 17-köpfiges Team versorgen in Lüdenscheid und Altena rund 50 Patienten. Die sieben Kleinwagen benötigen Super-Benzin – am Dienstag lag der Literpreis bei 1,63 Euro. Die Fahrtkostenpauschale von 1,67 Euro pro Einsatz zeigt, dass darüber wahrlich keine Refinanzierung der Mehrkosten möglich ist. Ein Neuwagen ist in Planung. „Ich denke, der wird gasbetrieben sein“, reagiert Steffens auf die hohen Spritpreise. Autogas (LPG) lag am Dienstag bei einem Literpreis von knapp 80 Cent.

Bernd Winkler, Leiter des „Pflegeteam im Sauerland“ hat schon vor vier Jahren acht seiner zehn Einsatzwagen auf Gasbetrieb umgestellt. „Daher leiden wir nicht ganz so sehr unter den Spritpreisen“, sagt er. Diesel habe sich für den Kurzstrecken-Betrieb nicht gelohnt. Ambulante Alten-, Kranken-, Intensiv- und Familienpflege bietet das Privatunternehmen in dem Bereich Lüdenscheid, Halver und Schalksmühle an.

Manfred Baltrun, Vorsitzender des Vereins LaBa (Lüdenscheider Ambulante Betreuungsarbeit, bezeichnet die explodierenden Spritpreise der vergangenen Monate als einen „Hammer“. Monatlich schlägt sich das in Tankkosten von knapp 2000 Euro nieder. „Vor einigen Jahren war es noch die Hälfte“. 13 Fahrzeuge hat Baltrun im Einsatz – allesamt Benziner. 20 Prozent des 25-köpfigen Pflegedienstes nutzen ihre Privatfahrzeuge und erhalten dafür 30 Cent pro Kilometer Fahrkostenerstattung. „In Aachen fahren sie jetzt teilweise mit dem Fahrrad, habe ich gehört. Aber im Sauerland ist das wohl keine Alternative.“

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