Tag der Pflege: Nach wie vor Tabuthema

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Senioreneinrichtungen, Pflegedienste und Institutionen hatten nicht nur reichlich Infos, sondern auch kleine Geschenke dabei. - Foto: S. Jentzsch

Lüdenscheid - „Das Thema Pflege ist nach wie vor ein Tabuthema. Mit dieser Veranstaltung wollen wir das ändern“, sagten Susanne Zarges und Anja Weber von der Stadt Lüdenscheid, die für Samstag zum ersten „Tag der Pflege“ ins Bürgerforum eingeladen hatten.

Dort präsentierte das Netzwerk Demenz 20 fachkundige Kooperationspartner. Informieren, beraten, ins Gespräch kommen, war das erklärte Ziel der Aktion. Viel Überzeugungsarbeit mussten die Organisatorinnen im Vorfeld des Tags der Pflege nicht leisten, wie sie erklärten. Senioreneinrichtungen, Pflegedienste und Institutionen konnten von der gemeinsamen Veranstaltung schnell begeistert werden. Vor allem die Möglichkeit, sich unverbindlich bei den verschiedenen Dienstleistern zu informieren, war für manchen Besucher ein willkommenes Angebot. Während am Vormittag der Fokus auf den Informationsständen lag, waren die Besucher nachmittags dazu aufgefordert, verschiedene Senioren- und Pflegeeinrichtungen sowie Institutionen zu besuchen, um sich direkt vor Ort einen Eindruck zu verschaffen.

Neben den unverbindlichen Beratungen gab es für die Besucher zudem umfangreiches Informationmaterial in die Hand. Besonders häufig fragten laut Kooperationspartnern die Besucher nach den Kriterien der Pflegestufen. Aber auch das Krankheitsbild Demenz beschäftigte die Besucher. Ein Angehöriger ist an Demenz erkrankt und kann nicht mehr zuhause bleiben. Wie geht es jetzt weiter? Wo bekomme ich Hilfe? Welche Unterbringungsmöglichkeiten gibt es? Wie kann dennoch eine Betreuung zuHause aussehen? Wie sieht ein seniorengerechtes Zuhause aus? Welche finanzielle Unterstützung steht mir zu? waren die häufigsten Fragen, die von den Pflegekräften beantwortet werden konnten.

Unverbindliche Beratungen von Fachkräften wurde von Besuchern gerne in Anspruch genommen. - Foto: S. Jentzsch

Die Vertreter einer heimischen Krankenkasse berieten betreuende Angehörige des Weiteren über eigene Entlastungsmöglichkeiten und hoben die Wichtigkeit dieses Aspektes hervor. „Manche müssen erst mit der Brechstange davon überzeugt werden. Letztlich führt eine Einsicht aber dazu, dass Personen länger Zuhause betreut werden können“, nannte ein Krankenkassen-Vertreter ein entscheidendes Argument, denn pflegende Angehörige brauchen zwingend Ruhe- und Erholungsphasen, um ihren Aufgaben immer wieder aufs Neue gerecht werden zu können. Zudem seien vielen die seit Januar geltenden neuen Möglichkeiten nicht bekannt, die mit der neuen Pflegereform einhergehen. Neben zusätzlichen Betreuungsleistungen wurden zusätzliche Entlastungsleistungen eingeführt. Sie können für die Unterstützung im Haushalt und für die Organisation persönlich benötigter Hilfe genutzt werden. Diese Leistungen erhalten alle Pflegebedürftige. Der Grundbetrag wird auf 104 Euro, der erhöhte Betrag auf 208 Euro monatlich angepasst. Ebenfalls für viele unbekannt: die Tags und Nachtpflege. Diese Kosten werden nicht mehr auf das Pflegegeld oder die ambulanten Sachleistungen angerechnet – diese Zahlungen gibt es jetzt zusätzlich.

Wie wichtig das Thema Pflege vor allem in den kommenden Jahren noch werden wird, verdeutlichte Bürgermeister Dieter Dzewas. In Lüdenscheid stieg die Zahl der über 80-Jährigen in den vergangenen fünf Jahren auf mehr als 4000 Personen. „Eine 40-prozentige Steigerung. Bis 2019 werden es weit über 5000 Menschen sein“, nannte das Stadtoberhaupt statistische Zahlen. Das zeige die große Herausforderung.

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