Pflege-Mindestlohn: Zeitplan hart kritisiert

LÜDENSCHEID ▪ Probleme wegen des Mindestlohnes für Pflegekräfte ab 1. August sieht Sigurd Lobe auf viele Alten- und Senioreneinrichtungen zukommen. Sehr ärgerlich sei die kurzfristige Umsetzung, erklärte der Leiter des Seniorenzentrums Reseda/Lutea an der Südstraße.

Da werde Mitte Juli entschieden, nur zwei Wochen später einen Mindestlohn von 8,50 Euro in Kraft treten zu lassen. Besonders betroffen seien die Einrichtungen, die mehrere angelernte oder geringfügig Beschäftigte im Grundpflegebereich beschäftigen und im Sommer ihre Pflegesatzverhandlungen haben – sie müssten jetzt fast ein Jahr lang mit den plötzlich zu geringen Sätzen leben.

In seinem Zentrum seien zwar nur acht von 86 Mitarbeitern betroffen, sagte Lobe. Dabei handele es sich um Anzulernende oder Angelernte, die bisher zwischen 7,57 Euro und 7,80 Euro in der Stunde verdienten. Unterm Strich bedeute das aber, dass die Kosten um etwa 1000 Euro pro Monat steigen. Aufgefangen werden könne das nur durch eine noch flexiblere Stundengestaltung oder im Extremfall um den Abbau von zwei bis zweieinhalb 400-Euro-Kräften, die für besondere Angebote mit den Bewohnerinnen und Bewohnern eingestellt würden. Dabei handele es sich beispielsweise um Ausflüge oder Marktbesuche von älteren Menschen, die personalintensiv begleitet werden müssten.

Lobe zeigte sich optimistisch, bei der relativ kleinen Zahl von betroffenen Mitarbeitern in seinem Seniorenzentrum, die finanzielle Mehrbelastung durch das Einsparen der einen oder anderen Arbeitsstunde auffangen zu können. Doch je nach Einrichtung und Dauer der „Überbrückungszeit“ bis zu den nächsten Pflegesatzverhandlungen gehe er davon aus, dass etliche Stellen gerade der Angelernten eingespart werden.

Große Probleme gibt es zumindest in der Bergstadt aber wohl nicht. Bei einer kleinen Umfrage in Senioreneinrichtungen zeigte sich, dass etliche Heime gar nicht betroffen sind, weil sie angelehnt an den Tarif für den öffentlichen Dienst bezahlten, beispielsweise Seniorenwohnheim Weststraße, Seniorenzentrum Hellersen und Sozialstation Lüdenscheid. Geringfügig betroffen sind dagegen beispielsweise das Karl-Reeber- Seniorenzentrum und das Johanneshaus, die für einige wenige Mitarbeiter künftig unter 50 Cent mehr pro Stunden zahlen müssten. - wok

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