Pflege kein Feld für den Einsatz von Arbeitslosen

LÜDENSCHEID ▪ Die Idee einiger Politiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hartz-IV-Empfänger künftig in Pflegeheimen einzusetzen, um nach dem Wegfall des Zivildienstes personelle Lücken zu schließen, stößt bei den Leitern der Altenheime vor Ort auf wenig Gegenliebe.

„Von den Pflegeheimen wird heute eine Hightech-Planung erwartet mit detaillierten Dokumentationen und Qualitätsmanagement Tag für Tag. Das ist vielleicht ein ganz netter Versuch und gut gemeint, aber er geht an der Realität vorbei. Pflege ist einfach ein zu sensibles Feld“, meint Detlev Röhle, Leiter des Dietrich-Bonhoeffer-Altenzentrums. Keine Probleme habe er damit, dass Hartz-IV-Empfänger in der Hauswirtschaft oder in der Gartenarbeit eingesetzt würden. „Da haben wir auch schon gute Erfahrungen gemacht.“

Sigurd Lobe, Leiter des Seniorenzentrums Reseda/Lutea ist „gar nicht glücklich“ mit diesem Vorschlag. „Man muss sehr viel lernen, wenn man in der Pflege arbeiten will. Hinzu müssen Menschenkenntnis und die richtige innere Einstellung kommen. Pflege ist zu speziell für so etwas.“

Ursula Günter, Leiterin des Seniorenwohnheims Weststraße, hält ebenfalls nichts davon, Arbeitslose in der Altenpflege einzusetzen: „Einerseits wird immer mehr Qualität eingefordert, andererseits wird dies aber nicht untermauert. Bis zu 20 Frauen und Männer arbeiten bei uns in Kooperation mit der Agentur für Arbeit in verschiedenen Bereichen, aber nicht in der Pflege. Sie hat auch einen ganz anderen Stellenwert.“

Kristin Aubert, Leiterin des Awo-Seniorenzentrums an der Parkstraße, spricht von einem Schnellschuss: „Gesetzlich werden immer höhere Anforderungen an die Pflege gestellt, andererseits werden die Qualifikationen und Voraussetzungen herabgesetzt. Gleichzeitig unterliegen wir einem permanenten Kontrolldruck. Das passt doch nicht zusammen.“

Stellen sich Langzeitarbeitslose freiwillig als Gesprächspartner für alte oder behinderte Menschen zur Verfügung, „dann könnte das beiden Seiten helfen“, meint der ehrenamtliche städtische Behindertenbeauftragte Klaus-Martin Pandikow. Helfer würden sehr schnell erfahren, dass  sie gebraucht werden, und für Heimbewohner bedeuteten solche Besuche weniger Einsamkeit. Für Pandikow ist allerdings klar: „Zum Dienst am Nächsten darf niemand gezwungen werden, und es kann dabei nicht um pflegerische Arbeiten gehen.“ Dafür sei eine Berufsausbildung unabdingbar. „Meine Befürchtung ist, dass angesichts des zu geringen Personalschlüssels in der Pflege und dem Auslaufen des Zivildienstes jetzt nur billiger Ersatz gesucht wird. Zugleich hat man die Motivation von Hartz-IV-Beziehern dank der Schlechterstellung bei der Rente gegen Null gefahren“, kritisiert der städtische Beauftragte

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare