Pflege für einen „heiligen Ort

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Die Mitglieder der Initiative „Niemand wird vergessen“ ist seit Donnerstag auf dem Jüdischen Friedhof aktiv. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Mehr als 70 Jahre ist es her, dass auf dem Jüdischen Friedhof am Ramsberg die letzte Beisetzung stattfand. Seitdem ruht das Gelände, liegt ganz idyllisch am Ende der Straße, kaum zu sehen, fast unscheinbar...

Weil es auch keine aktive jüdische Gemeinde mehr in der Bergstadt gibt, wird der Ort nur unregelmäßig gepflegt. „Niemand wird vergessen“ heißt eine Gruppe junger Leute, die es sich nun zur Aufgabe gemacht hat, den Friedhof wieder „in Ordnung zu bringen“. Seit Donnerstag sind sie auf dem 1300 Quadratmeter großen Gelände aktiv.

Den Weg frei räumen, Äste und Gestrüpp beseitigen, Gräber „freilegen“ – die Gruppe Gleichgesinnter hat sich viel vorgenommen. Doch das Fazit nach zwei Tagen fällt positiv aus: „Das ist eine gute Arbeit, man kann aktiv werden und sieht die Ergebnisse“, erzählt Arne Vollmerhausen, einer der Initiatoren. Und: Ihr Engagement stößt auf breite Zustimmung und positive Resonanz – sowohl bei den benachbarten Anwohnern, die die jungen Leute beispielsweise mit Kaffee versorgen, als auch bei der Jüdischen Gemeinde in Dortmund, die den Friedhof verwaltet. „Als wir mit unserer Idee an die Verantwortlichen herangetreten sind, waren sie ganz begeistert.“

Es folgten persönliche Gespräche und eine kleine Einweisung – denn für den „heiligen Ort“ gelten besondere Regeln. „Und die respektieren wir natürlich.“ Dazu zählt unter anderem, dass die Männer auf dem Friedhof eine Kopfbedeckung tragen oder dass umgefallene Grabsteine nicht wieder aufgerichtet werden dürfen. Denn im Gegensatz zu christlichen Gräbern sei ein jüdischer Grabstein für die Ewigkeit. Daher wurde der Ort am Ramsberg auch nicht „aufgelöst“, sondern im Juli 1955 geschlossen.

Seitdem kümmert sich der STL um die Pflege des Grundstücks, das jedoch nicht frei zugänglich ist. Eine Tatsache, die die Initiative ebenfalls ändern möchte. „Vorstellbar wäre beispielsweise, den Friedhof einmal im Jahr für öffentliche Führungen zu öffnen“, so Vollmerhaus. Denn der Ort besitzt nicht nur einen sehenswerten alten Baumbestand in Form einer Allee, sondern ist auch von historischer Bedeutung.

Immerhin ist der älteste Grabstein mit dem Jahr 1853 datiert, andere weisen hebräische Inschriften auf. „Und das bekommt man hier ja sonst auch nirgends zu sehen“, so Vollmerhaus, dessen Initiative es am Herzen liegt, den Friedhof als verbliebenes Fragment des jüdischen Lebens in Ehren zu halten. Und deshalb soll die Aktion auch nicht die letzte gewesen sein.

Abgerundet wird der Arbeitseinsatz übrigens durch eine Vorher-Nachher-Dokumentation: „Wir möchten die Daten auf den Grabsteinen auswerten und eine Art Archiv anlegen.“

Am Samstag um 13 Uhr trifft sich die Gruppe zu einem Stadtrundgang, bei dem ehemalige Orte jüdischen Lebens besucht werden. Los geht es am Rathaus, Interessierte sind dazu eingeladen. ▪ Kerstin Zacharias

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