Erlöserkirche: Führer-Orgel wird demontiert und nach Polen gebracht

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Die Führer-Orgel in der Erlöserkirche wird derzeit demontiert, die Kirche ist gesperrt.

Lüdenscheid - Das Hauptportal ist geschlossen, der Abbau eher unspektakulär: Seit Anfang der Woche wird in der Erlöserkirche die Führer-Orgel demontiert.

Sie ist in die Jahre gekommen, der Strom musste abgestellt werden. Montag rückten nun die polnischen Spezialisten der Firma „Zdzislaw Mollin“ an und schrauben den einstigen Schmuck der Erlöserkirche Stück für Stück sorgsam auseinander.

Dabei wird die Arbeit dem polnischen Fünf-Mann-Team nicht gerade leicht gemacht. „Es existiert keine Dokumentation über die Orgel“, sagt Kantor Dmitri Grigoriev, der in diesen Tagen noch mehr Zeit als sonst in „seiner“ Kirche verbringt. So müssen die polnischen Spezialisten selbst dokumentieren, welches Teil wo abmontiert wird und wie wieder angebracht wird. Immerhin soll die Orgel schon am Wochenende via Lkw auf den Weg zu einer Gemeinde in der Nähe von Danzig gehen. Dort wird sie ähnlich sorgsam wieder aufgebaut. „Die hatten da keine Orgel“, weiß Grigoriev.

Wie kommt man an einen Käufer in Polen? „Ein bisschen Glück muss man schon haben“, sagt Grigoriev und verweist auf die Internetpräsenz einer Wuppertaler Firma, die sich auf den An- und Verkauf von Orgeln spezialisiert hat. Dort kann man Orgeln zum Verkauf anbieten – und über diese Plattform sei die Führer-Orgel verkauft worden.

1968 wurde die damals neu gebaute Führer-Orgel eingeweiht, ein Instrument mit drei Manualen, einem Pedal und 42 Registern. Ein schönes Instrument, das nach den damals aktuellen Installationsvorschriften angebracht wurde. Mit Kunststoffleitungen auf blankem Holz. Ende 2013 wurde die Orgel gerade wegen der maroden Elektrik stillgelegt. Der Kunststoff war brüchig geworden, die Leitungen blank. Die Elektrik wird an ihrem neuen Wirkungsort generalüberholt. Dem Kreiskantor steht eine Einladung ins Haus, das Instrument mit einem Konzert in Polen einzuweihen.

Ist die Führer-Orgel Ende der Woche abgebaut und verpackt, wird die Empore wieder zugänglich gemacht – vor allem mit Blick auf die anstehende h-moll-Messe und die weihnachtlichen Gottesdienste. Beides soll wie gewohnt stattfinden. Eigens dafür wird die Empore provisorisch abgesichert. Für den Rest der Woche allerdings ist die Erlöserkirche bis auf wenigen Ausnahme-Andachten geschlossen und für den Besucherverkehr gesperrt, sind die Kirchenbänke sorgsam abgedeckt und vor Kratzern geschützt. Zu gefährlich ist das Betreten – für Mensch und Instrumententeile: „Da reicht eine Handberührung an den Orgelpfeifen. Die sind aufwendig poliert. So ein Fingerabdruck geht nie wieder weg.“

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