Pfefferspray und kleiner Waffenschein: Lüdenscheider rüsten auf

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Arnd Nitsch von „Lotto Nitsch“ hat seit Silvester mehr als 60 Dosen Pfefferspray verkauft. 

Lüdenscheid - Die Angst vor Angriffen und Überfällen auf der Straße wächst bei den Lüdenscheidern – und mit ihr das Bedürfnis nach Pfefferspray, Elektroschockern oder gar Schreckschusswaffen in der Tasche.

Im Jahr 2015 gingen nach Polizeiangaben 389 Anträge für einen kleinen Waffenschein aus Lüdenscheid bei der zuständigen Behörde ein. In manchem Kiosk steigt die Nachfrage nach Artikeln zu Selbstverteidigungszwecken.

Der sogenannte kleine Waffenschein berechtigt zum Führen von Schreckschusswaffen außerhalb des eigenen Grundstücks. Mit solchen Waffen, die in der Regel aussehen wie echte Schusswaffen und ab 18 Jahren frei verkäuflich sind, lassen sich Pfefferspray und Reizgas verschießen. 

Seit Silvester mehr Anträge auf kleinen Waffenschein

Seit den Übergriffen auf Frauen in Köln in der Silvesternacht fragen noch mehr Bürger nach dem kleinen Waffenschein, berichtet Dietmar Boronowski, Sprecher der Polizei im Märkischen Kreis. 

Aus dem Kreisgebiet gingen täglich zehn Anträge via Online-Formular beim Amt für Waffen- und Munitionsangelegenheiten in Iserlohn ein, so Boronowski. Nach einer Überprüfung werde der kleine Waffenschein Bürgern, die mindestens 18 Jahre alt sind, und gegen die bei der Polizei nichts vorliegt, erteilt. 

Arnd Nitsch hat in 2016 bereits 60 Dosen Pfefferspray verkauft

Doch auch Pfefferspray – zugelassen nur zur Tierabwehr – wird derzeit stark nachgefragt. Arnd Nitsch, Betreiber von Lotto Nitsch an der Altenaer Straße 1 (Ecke Sternplatz), berichtet von mehr als 60 verkauften Dosen allein seit Neujahr. 

Auch Elektroschocker seien in der dunklen Jahreszeit gefragt. „Die sind teilweise sogar bei den Großhändlern ausverkauft. Dann komme ich an die natürlich auch nicht mehr ran.“ Schreckschusswaffen verkauft Nitsch nicht. „Dafür bräuchte ich spezielle Waffen- und Munitionsschränke. Das ist zu teuer.“ 

"Man liest darüber und bekommt Angst"

Generell versteht der Einzelhändler die Sorgen der Menschen. „Man liest von solchen Vorfällen in der Großstadt, aber hat natürlich auch hier Angst. Auch wenn ich natürlich lieber ‘Friedlicheres’ verkaufe.“

Der Pavillon am Bahnhof, der Kiosk Sultan Polat am Rathausplatz sowie Tabak Wolsdorff im Stern-Center haben keine dieser Selbstverteidigungsartikel im Angebot, wie eine LN-Nachfrage ergab. 

Bei Wolsdorff hätten aber seit Silvester etwa zehn Frauen nach Pfefferspray gefragt, weiß Mitarbeiterin Birgit Uhlenbruch zu berichten.

Waffengebrauch zur Selbstverteidigung nicht empfehlenswert

Polizeisprecher Dietmar Boronowski rät von Schreckschusswaffen in der Tasche ab. Solch eine Waffe schütze nicht vor dem Angriff an sich. Den Angreifer zu überwältigen, gelinge allein schon wegen mangelnder Souveränität selten. 

Stattdessen rät die Polizei zur Vermeidung von Übergriffen bzw. im Falle eines Übergriffs folgendes: 

- Sich nachts möglichst nicht allein, sondern in Gruppen bewegen. 

- Wenn man angegriffen wird, laut schreien, da ein Täter nicht erkannt werden will und dann vielleicht von seinem Opfer ablässt.

- Fluchtmöglichkeit suchen und weglaufen. 

- Unbedingt die Polizei unter 110 anrufen – auch wenn noch nichts passiert ist, man den Angriff aber kommen sieht oder sich unwohl fühlt. 

- Sich Merkmale des Täters merken – Haarfarbe, Größe, Tattoos, Piercings und Kleidung (Farbe, Form und Marke). 

- Den Vorfall entgegen dem eventuellen Bedürfnis nicht erst in sozialen Medien teilen, sondern sich zuerst an die Polizei wenden.

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