Keine Erinnerungen an das Heimatland

Petition gegen Abschiebung des Lüdenscheiders Alsenny Bahs

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Alsenny Bahs wurde in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober abgeschoben.

Es ist die letzte Möglichkeit ihren Freund Alsenny Bahs zurück nach Lüdenscheid zu holen. Familie, Freunde und Bekannte des nach Deutschland Geflüchteten haben eine Petition gestartet, die mehr als 12 000 Unterstützer fand. Die ganze Geschichte:

Lüdenscheid - Als letztes Mittel, die unmittelbar bevorstehende Abschiebung zu verhindern, haben Freunde und Familienangehörige des in Lüdenscheid ansässigen Guineers Alsseny Bah am vergangenen Freitag über die offene Internetplattform OpenPetition eine Unterschriftenaktion gestartet und 12 056 Unterstützer für ihr Anliegen gewonnen. 

Nach Angaben seiner Freunde konnte damit zwar die Abschiebung, die für die Nacht vom 19. auf den 20. Oktober vorgesehen war, nicht verhindert werden, die mehr als 12 000 Unterschriften reichen jedoch aus, um das Einreichen der Petition bei der Ausländerbehörde einzuleiten und zu versuchen, den im November 2007 als Minderjährigen geflüchteten jungen Mann wieder nach Lüdenscheid zurückzuholen. 

Initiiert worden ist die Petition von einem Freundeskreis um den 25-jährigen Lüdenscheider Ilias El Bariaki, der den Guineer von Kindheit an kennt. „Viele Leute kennen ihn vom Fußball“, sagt sein Freund. Alsseny habe bei Rot-Weiß-Lüdenscheid gespielt. 

Wie in der Petition zu lesen ist, besuchte Alsseny Bah ab Januar 2008 in Lüdenscheid die Hauptschule und war auf der Suche nach einer Lehrstelle. Allerdings machte er sich strafbar und wurde wegen schwerer Körperverletzung verhaftet. Der Straftat vorausgegangen sein sollen rassistische Beleidigungen. 

„Auf die Verhaftung folgte eine Bewährungsstrafe“, heißt es in der Petition. Im April 2019 folgten, wie zu lesen ist, der Entzug der Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Da sich der junge Guineer, dessen alleinerziehende Mutter und vier Geschwister in Lüdenscheid leben, obendrein nicht bei seiner Bewährungshelferin meldete, wurde er im Dezember 2019 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Unmittelbar nach Absitzen der Haftstrafe leiteten die Ausländerbehörden, wie seine Freunde ausführlich in der Petition berichten, die Abschiebung ein. 

Kaum Erinnerungen an Guinea

An Guinea, das er als Elfjähriger verließ, hat Alsseny Bah nur noch schwache Kindheitserinnerungen. Er hat dort keine Familie und kennt niemanden. „Warum gilt Guinea für Alsseny als sicheres Land, wenn sogar deutsche Touristen vor einer Reise dorthin gewarnt werden?“, fragen seine Freunde. 

Laut Auswärtigem Amt ist in dem afrikanischen Land die Kriminalitätsrate stark gestiegen. Nächtliche Überfälle auf Passanten sind weit verbreitet. Auch die innenpolitische Lage wird als prekär beschrieben. 

„Es kann nicht sein, dass für uns eine akute offizielle Reisewarnung besteht, aber unser Freund, Sohn und Bruder in dieses gefährliche, unsichere Land abgeschoben werden soll“, schließt die Petition. 

Mit einem Porträtfoto, darum bat er, möchte Alsseny Bah nicht in der Zeitung erscheinen.

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