Pertheswerk schließt Sozialwerkstatt

Die finanzielle Unterstützung für die Förderung Langzeitarbeitsloser sind reduziert worden.

LÜDENSCHEID ▪ Sabine Riddermann macht aus ihrem Unmut kein Hehl: „Die Unterstützung von Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, muss gewollt sein. Sonst verabschiedet sich der Staat von einer Charakteristik, die ihn einmal ausgemacht hat – nämlich Sozialstaat zu sein.“

Gemeinsam mit Diplom-Sozialarbeiter Frank Solfrian und den Betriebsleitern Klaus Erhardt und Dirk Oltmanns gab die Geschäftsbereichsleiterin des Evangelischen Perthes-Werkes gestern die Schließung der Sozialwerkstatt am Buckesfeld bekannt. Die bedrückte, aber auch zornige Stimmung unter allen Beteiligten war deutlich spürbar. Heute wird die Arbeit eingestellt.

Langzeitarbeitslosen Frauen und Männern, die aufgrund prekärer Lebensbedingungen – von Wohnungslosigkeit bedroht, erkrankt oder verschuldet – sehr schlechte Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt hatten, bot die Sozialwerkstatt am Buckesfeld einen strukturierten Arbeitstag. Immer wieder schafften Teilnehmer – in der Spitze 80 – auch den Sprung in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. 15 waren es zuletzt. Sieben können im T(R)aumland untergebracht werden, drei in der Möbelbörse Fünf mussten gekündigt werden. „Sie haben sich nach vielen Jahren der Arbeitslosigkeit aus ihrer sozialen Not herausgearbeitet und fallen jetzt wieder in ein tiefes Loch. Für sie ist die Arbeit zum Lebensmittelpunkt geworden“, beschreiben Frank Solfrian und Klaus Erhardt die Auswirkungen.

Hintergrund der Schließung, von der ausdrücklich nicht das T(R)aumland an der Bräuckenstraße und die Möbelbörse an der Opderbeckstraße betroffen sind, ist nach Angaben von Sabine Riddermann ein Sparpaket, durch das nicht mehr genügend Mittel zur Förderung langzeitarbeitsloser Menschen bereitstehen. „Der Bund hat zwar Mittel in Konjunkturpakete gesteckt, spart sie jetzt aber durch Kürzungen bei der Schaffung sozialer Beschäftigungsplätze wieder ein. Hinzu kommt die politisch gewollte Instrumentenreform – das Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt.“ Danach bestünden Qualifizierungsmaßnahmen nur noch für den Personenkreis, der noch eine gewisse Nähe zum Arbeitsmarkt habe. Besonders beeinträchtigte Menschen aber blieben außen vor. „Fachkreise schätzen 500 000 bis 800 000 Betroffene.“ ‘ Kommentar

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