„Mehr Arbeitsplätze als Wohnraum“

Pendeln in Lüdenscheid: „Große Flexibilität gefordert“

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An der Herscheider Landstraße staut sich der Verkehr zu manchen Tageszeiten bereits ab der Kreuzung zum Klinikum bis zum Bräuckenkreuz. Überlegungen, den Knotenpunkt zu entlasten, gibt es bereits.

Lüdenscheid - Zu den Metropolen Nordrhein-Westfalens (NRW) gehört die fast 75 000-Einwohner-Stadt Lüdenscheid zwar nicht, im Märkischen Kreis und Umgebung ist sie dennoch weit oben: mit mehr als 23 000 Berufseinpendlern täglich. Das sei durchaus „eine Riesennummer für Lüdenscheid“, sagen Martin Assmann, Fachdienst Stadtplanung, und Christian Hayer, Fachdienst Verkehrsplanung und -lenkung.

Jeden Tag pendeln laut Statistik von IT.NRW 11 456 mehr Menschen nach Lüdenscheid ein als aus. „Das ist im Vergleich zu anderen Städten im Kreis schon ein Merkmal“, sagt Assmann. „Allerdings pendeln nicht wirklich alle diese Leute täglich in die Stadt. Viele nur an wenigen Tagen in der Woche, weil sie einer Teilzeit- oder Nebenbeschäftigung nachgehen.“ Die Summe derer, die sowohl in der Stadt leben als auch arbeiten, ist mit 24 871 nur minimal größer als die der Einpendler (23 278).

„Mehr Arbeitsplätze als Wohnraum“

Das scheint erst mal ungewöhnlich viel“, sagt Assmann. Allerdings sei die hohe Einpendlerzahl auch auf die Lage der Stadt zurückzuführen. Denn der Großteil der Pendler kommt ganz aus der Nähe, dem Märkischen Kreis. „Es ist heutzutage kein Problem mehr, etwa in Schalksmühle zu wohnen und in Lüdenscheid zu arbeiten – oder andersrum.“

Ein Grund dafür könnte ein fester Wohnsitz sein, überlegen Assmann und Hayer. Bauland sei in Lüdenscheid sehr begrenzt. „Wir bieten hier mehr Arbeitsplätze als Wohnraum.“ Ob dieser erweitert werden müsse, sei eine politische Entscheidung. „Wichtig ist, dass der engere regionale Wohnungsraum genug hergibt – sonst droht ein Abwandern aus dem Kreis.“

„Lüdenscheid ist ‘n Dorf“

Doch einen der Hauptgründe sehen sie in der Arbeit selbst: „Das Dienstleistungsgewerbe spielt eine immer größere Rolle“, sagt Assmann. Fast 14 000 der Einpendler arbeiteten laut Statistik in diesem Bereich. „Das passt auch: Es gibt in der Dienstleistung mehr Teilzeit als im gewerblichen Bereich. Und es wird heutzutage große Flexibilität von den Mitarbeitern gefordert.“

Arbeiter und Angestellte sind mit Abstand die größte Einpendler-Gruppe in der Bergstadt (20 787). Weit danach folgen mit 1121 die Beamten. „Lüdenscheid ist ‘n Dorf“, sagt dazu Sebastian Wagemeyer als Schulleiter des Zeppelin-Gymnasiums. Im Bereich Schule sei es durchaus so, dass Lehrer nicht gerne an ihrem Wohnort arbeiten, das zeige sich an fast allen Schulen. „In so einer Stadt trifft man überall Schüler und Eltern“, weiß Wagemeyer. Von den 58 Lehrern des Gymnasiums wohnten lediglich 23 in Lüdenscheid. „Der Rest pendelt ein – hauptsächlich aus dem Raum Olpe, Siegen und dem Ruhrgebiet. Teils auch, weil sie dort herkommen und nicht umziehen wollen.“

Optimal sei diese Situation für die Stadt Lüdenscheid nicht, oder besser gesagt für ihre Infrastruktur, wissen Hayer und Assmann. Denn: Steuereinnahmen gehen dorthin, wo man wohnt. Und wer nicht in der Stadt wohnt, geht auch selten dort einkaufen oder essen. „Andererseits brauchen die Betriebe natürlich die Beschäftigten“, betont Assmann. Etwas mehr „Ausgeglichenheit“ wäre dennoch wünschenswert, also: mehr innergemeindliche Pendler und weniger Ein- und Auspendler.

„Problemzone“ Bräuckenkreuz

Doch was bedeuten die knapp 11 500 Menschen täglich mehr für den Straßenverkehr? „Lüdenscheid hat einen großen Vorteil: Autobahnen“, sagt Hayer. Der Autoverkehr verteile sich, außer ein Unfall oder eine Baustelle beeinträchtigten die Fahrt. „Dann wird es in der Stadt schnell mal unschön.“ Das gelte auch für den Knotenpunkt Bräuckenkreuz: „Das ist eine Problemzone“, weiß Hayer. Zu oft staue sich der Verkehr zu stark, „das ist nicht in Ordnung. Es gibt bereits Überlegungen, das zu optimieren“. Die anderen Knotenpunkte seien aber in Ordnung. Die Signalanlagen in der Stadt werden zudem überplant.

„Gute Alternative für Pendler“

Eine gute Chance, den Straßenverkehr langfristig zu entlasten, sieht Hayer insbesondere in der Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Die Einrichtung einiger Busspuren für die „Bus-Beschleunigung“ an Ampeln sei ein „enormer Gewinn“.

Und die Bahn sei ebenfalls eine gute Alternative für Pendler. „Das wird hoffentlich auch gestärkt durch die neue Strecke von Lüdenscheid nach Köln, für Leute, die aus Meinerzhagen oder Kierspe kommen und im Stadtzentrum in Lüdenscheid arbeiten.“

Anders der Radverkehr: „Das Thema betrifft eher den Innenstadtraum und ist ein ökologischer Gesichtspunkt“, sagt Hayer. „Wir müssen verkehrssichere Wege anbieten, aber dafür fast immer Fläche nehmen – und das geht zu Lasten des fließenden Verkehrs.“ Verbesserungen werde es weiterhin geben, doch Konflikte seien nicht zu vermeiden: „Das ist immer ein Kampf um vorhandene Fläche.“

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