Peinliche Gewinnmitteilung: Traumreise für eine Tote

Magdalena Ermert

LÜDENSCHEID ▪ „Herzlichen Glückwunsch, Frau .... (Name der Redaktion bekannt), Sie haben eine 8-tägige Traumreise für zwei Personen in die Türkei gewonnen.“ Diese Gewinn-Benachrichtigung kommt gut zwei Jahre zu spät, denn die Adressatin ist bereits 2010 verstorben.

An dem „Strom“-Gewinnspiel hatte sie teilgenommen, aber das ist lange her – und jetzt das.  „Die Adressen sind damals kopiert und weiterverkauft worden“, sagt Magdalena Ermert, Leiterin der Lüdenscheider Verbraucherzentrale. Selbst wenn das Gewinnspiel schon lange vorbei sei, sei es durchaus üblich, dass es wieder hervorgekramt werde. „Strom ist gerade wieder ein Thema. Deshalb ist das wohl jetzt erneut aufgelegt worden“, sagt die Expertin und liegt richtig. „Wir haben ältere Gewinnspiele, die neu ausgelost werden“, mailt die Firma „Multi europäische und internationale erlebnis reisen GmbH“, kurz „M.E.I.E.R-Reisen“. Das Unternehmen bittet auf einen Beschwerdebrief hin, den vollständigen Namen und die Anschrift der Verstorbenen mitzuteilen, damit ihre Adresse gelöscht werden kann. Kein Wort des Bedauerns, obwohl dies bei der peinlichen Gewinn-Benachrichtigung und Gratulation wohl angebracht gewesen wäre. Ganz zu schweigen von der Situation für den Witwer, der die Post an seine verstorbene Frau im Briefkasten vorfand.

„Ich rate immer, vorsichtig mit seinen Daten umzugehen“, sagt Magdalena Ermert. Natürlich sei das schwierig, wenn man an einem Gewinnspiel teilnehme. Denn man hinterlasse ja die Adresse, um im Falle eines Gewinnes benachrichtigt zu werden. Aber die Verbraucher müssten sich auch darüber im Klaren sein, dass ihre Daten – wie in dem geschilderten Fall – weitergegeben werden. Dem Reiseunternehmen könne man keinen Vorwurf machen. Der Handel mit Daten sei üblich.

Umso mehr habe sie sich erschreckt und sei empört gewesen, als sie von dem beabsichtigten neuen Meldegesetz erfahren habe, das die Weitergabe persönlicher Daten noch zusätzlich erleichtert hätte. „Das ist ja jetzt wohl vom Tisch“, sagt sie. „Ich gehe ja nicht so gern auf die Straße und demonstriere, aber wäre es bei der ursprünglichen Fassung geblieben, hätte ich’s getan.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare