59 Wohnungen in Brügge

Paukenschlag auf dem Wohnungsmarkt: EWG verkauft Bestand an privaten Investor

+
Siedlungs-Idylle mit womöglich unklarer Perspektive: Ein privater Investor ist neuer Besitzer der alten Eisenbahner-Häuser an der Opderbeckstraße und an der Schlänke.

Lüdenscheid – Paukenschlag auf dem Lüdenscheider Wohnungsmarkt: Die in Hagen ansässige Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft (EWG) hat ihre 59 Mietwohnungen im Stadtteil Brügge an einen privaten Investor veräußert.

Michael Henseler, hauptamtlicher Vorstand und Geschäftsführer der EWG, bestätigte den Vorgang auf LN-Nachfrage. Zum Verkaufspreis und zum Namen des Investors schwieg er sich aus. Nur so viel will der EWG-Chef verraten: „Es handelt sich um ein sympathisches Familienunternehmen aus dem Ruhrgebiet.“ 

Firmenmitarbeiterin bestätigt Erwerb

Recherchen ergaben: Käufer der alten Eisenbahner-Wohnungen ist  die in Bochum ansässige Rhein-Ruhr-Invest GmbH, ein Privatinvestor. Eine Firmenmitarbeiterin bestätigte den Erwerb der Immobilien.

„Vertrauensbruch seitens der EWG“

Für Politiker der Lüdenscheider Linkspartei und auch der SPD dürfte diese Entwicklung wohl ein Nackenschlag sein. Sie hatten gehofft, die Wohneinheiten für das Genossenschaftswesen erhalten zu können – mit entsprechend niedrigen Mieten. 

Lesen Sie auch: Bauherren aufgepasst! Stadt hat 345 Baulücken gefunden

SPD-Ratsherr Jan Eggermann, der nach eigenen Angaben schon lange in Kontakt und Verhandlungen mit der Hagener Eisenbahner-Genossenschaft stand, sprach von einem „Vertrauensbruch seitens der EWG“. 

Wohnungen für Familien von Bundesbahn-Mitarbeitern

Zur Einordnung: Die Hagener Genossenschaft, weiß Henseler, verfügt über rund 2500 Mietwohnungen, die einst Familien von Bundesbahn-Mitarbeitern vorbehalten waren. Heute ist die Mieterschaft indes gemischt. Die meisten der Wohnungen befinden sich in Hagen, einige aber auch in benachbarten Städten. 

EWG-Chef: "Nicht vermietbar und nicht vermarktbar."

Henseler – er steht seit gut einem Jahr an der EWG-Spitze und arbeitet an „einer Zukunftsstrategie“ für die Genossenschaft – zum Zustand der knapp 100 Jahre alte Brügger Mehrfamilienhäuser: „Die waren für uns nicht vermietbar und nicht vermarktbar. Es gab einen Leerstand von 60 Prozent. Da hätten wir Millionen investieren müssen.“ 

Unter Denkmalschutz stehen die Gebäude nicht

Künftig wolle sich die EWG lieber auf ihren Wohnungsbestand in Hagen konzentrieren. Was mit den recht ruhig und grün gelegenen Wohnungen in Brügge mittelfristig passieren soll, ist nicht absehbar. Unter Denkmalschutz stehen die Gebäude laut Henseler nicht, der Investor sei an keine bestimmten Vorgaben gebunden. Der Gedanke des EWG-Geschäftsführers: „Ich kann mir vorstellen, dass die neuen Besitzer investieren und die Wohnungen dann auf den Markt kommen.“

Wohnungen werden schon im Internet angeboten

Tatsächlich werden einige der leerstehenden Wohnungen in Internetportalen und per Aushang bereits angeboten - etwa eine 69,68 Quadratmeter große Wohneinheit für eine Kaltmiete von 398 Euro. Oder eine Wohnung mit 49,99 Quadratmetern für eine Kaltmiete von 275 Euro. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von gut 5,50 Euro.

Im Internet gibt es nur "Außenbilder"

Ein Wert, zu dem mitunter auch Wohnungsgenossenschaften Mietwohnungen anbieten – bei einigermaßen zeitgemäßer Ausstattung der Immobilie. Der Zustand der Brügger Wohnungen ist unklar – bei den Internet-Offerten gibt es nur Außenbilder.

Linke: Keine gute Nachricht für die Mieter

Unterdessen hat Josef Filippek, Sprecher der Lüdenscheider Linkspartei, den Verkauf der Genossenschaftswohnungen an einen Privatinvestor scharf kritisiert. Seine Ansicht: „Bezahlbarer Wohnraum wird auch in Lüdenscheid immer knapper. Für uns ist es daher unverständlich, dass eine Genossenschaft sanierungsfähige Wohnungen nicht saniert und vermietet, sondern leerstehen lässt. Von einem Verkauf war vorher nie die Rede. Keine gute Nachricht für die Mieter und unsere Stadt.“

Lesen Sie auch:  Wohnungsbau in Lüdenscheid: "Der Druck wächst"

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare