Lüdenscheid, Meinerzhagen und Halver betroffen

Paukenschlag: Kostal entlässt 330 Mitarbeiter

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Lüdenscheid – Paukenschlag bei Kostal: Das Unternehmen baut in der Sparte Automobil Elektrik 330 Arbeitsplätze in der  Fertigung und in fertigungsnahen Bereichen ab. Betroffen sind die Standorte Lüdenscheid, Meinerzhagen und Halver.

Andreas Kostal, der das Familienunternehmen mit weltweit rund 18.000 Mitarbeitern in vierter Generation führt, nannte es am Donnerstagnachmittag "sicher eine der folgenreichsten und härtesten Entscheidungen" in der mehr als 100-jährigen Unternehmensgeschichte.

Doch die Automobilindustrie verändere sich mit einer rasanten Geschwindigkeit, die er in zehn Jahren im Unternehmen so noch nicht erlebt habe. Schrittweise müssten daher nicht wettbewerbsfähige Produktionen von Großserien in Deutschland eingestellt werden. Andere Produktionsstandorte in der Welt seien kostengünstiger.

Mit den 330 Arbeitsplätzen fällt nur ein Teil der Stellen in dieser Sparte weg. Ziel sei, dass die anderen erhalten blieben. Insgesamt beschäftigt Kostal in Lüdenscheid 2400 Mitarbeiter.

Geschäfstführer Andreas Kostal

"Wir sind uns der Tragweite dieser Entscheidung bewusst", betonte ein sichtlich mitgenommener Andreas Kostal. "Dennoch würden wir fahrlässig handeln, wenn wir nicht jetzt die Weichen stellen für eine langfristige Sicherung des Gesamtunternehmens und die Wettbewerbsfähigkeit unserer deutschen Standorte." Bereits seit mehreren Jahren sei die wirtschaftliche Situation der Fertigung unbefriedigend.

Die Mitarbeiter im Geschäftsbereich Automobil Elektrik informierte Andreas Kostal am Donnerstag. Nun werde man in die Verhandlungen eintreten, wie man den Abbau so sozial verträglich wie möglich gestalten könne. Das könne Wochen oder gar Monate dauern. Aber sein Bestreben sei es, den Prozess so schnell wie möglich abzuschließen, damit auch für die betroffenen Mitarbeiter möglichst bald Klarheit herrsche.

Gleichzeitig kündigte Kostal aber auch an, im Rahmen seines Zukunftskonzeptes die Standorte in Lüdenscheid, Halver und Meinerzhagen zu Technologiezentren zu entwickeln, wo innovative Produkte entwickelt und zur Serienreife geführt werden sollen.

Ab 2019 wolle man daher eine Muster-/Prototypenfabrik aufbauen; bereits für dieses Jahr sei geplant, eine Modellfabrik für Serienproduktionen einzurichten, um Produktions- und Logistikkonzepte zu optimieren.

Technologiezentren statt Fertigung

Vornehmlich in Lüdenscheid und Dortmund würden die Technologiezentren auf bestehenden Flächen entwickelt. "Ich gehe davon aus, dass wir auch neue Mitarbeiter einstellen, aber mit anderer Kompetenz", sagte Kostal weiter.

"Grundsätzlich wachsen wir global", sagte er. Wenn also ein Mitarbeiter an einen Standort im Ausland wechseln wolle, sei das gut: "Ich bin froh um jeden, den wir nicht entlassen."

Bürgermeister Dzewas reagiert betroffen

Lüdenscheids Bürgermeister Dieter Dzewas reagierte betroffen und sprach von einer "sehr bedauerlichen Entwicklung". Sicherlich seien die Perspektiven auf dem heimischen Arbeitsmarkt derzeit besser als noch vor einigen Jahren, gleichwohl sei es natürlich schwierig für die Menschen. Aber als Unternehmen unterliege man heute "dem Diktat von denen, die die Aufträge vergeben" und den Maßstäben, die die Kunden anlegten.

Lüdenscheid ist Hauptsitz des 1912 gegründeten Unternehmens Kostal, das heute zu den größten Automobilzulieferern weltweit zählt. Es ist mit 46 Standorten in 21 Ländern weltweit präsent.

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