75 Patienten: Notfallplan im Klinikum hat gegriffen

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Viele Einsatzkräfte wurden weges des Verdachts auf Rauchgasvergiftung im Klinikum untersucht.

Lüdenscheid - 75 Patienten wurden am Montag in der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Lüdenscheid behandelt. Vor allem Feuerwehrleute, aber auch Polizeibeamte, Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der am Unfallort ansässigen Unternehmen. Es griff ein Krisenmanagement.

Es war ein Ansturm, der jede Kapazität, die die Zentrale Notaufnahme (ZNA) an normalen Tagen vorhält, sprengen musste und das Krisenmanagement im Klinikum auf den Plan rief. Am frühen Morgen um 5.30 Uhr wurden dem diensthabenden Arzt der ZNA, Dr Margkarian, von der Leitstelle der Feuerwehr zunächst zehn vom Gas betroffene Patienten mit Übelkeit, Luftnot und Kopfschmerzen angekündigt. Dass es bei dieser Zahl nicht bleiben würde, ahnte das Team der ZNA bereits zu dieser Stunde und holte Kolleginnen und Kolleginnen, die eigentlich dienstfrei hatten, unverzüglich aus dem Schlaf. So auch den pflegerischen Leiter der ZNA, Bernhard Meyknecht, der bereits um 6 Uhr am „Start“ war.

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„Zu diesem Zeitpunkt konnte ja noch niemand wissen, wie viele Verletzte es letztlich sein würden und schon gar nicht, wie schwer die Menschen betroffen sind“, erzählt er. „Wichtig ist in einer solchen Krisensituation, dass wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sind und innerhalb kürzester Zeit reagieren können“, fügt Dr. Markus Bald, ärztlicher Leiter der ZNA, hinzu. Ein hoher logistischer Aufwand, den das ZNA-Team nicht allein bewältigen kann. Die Zusammenarbeit mit vielen Bereichen und Kliniken im Hause habe reibungslos funktioniert, freut sich Dr. Bald. So habe beispielsweise die Anästhesie unverzüglich die Bereitstellung des Aufwachsraumes für mögliche Schwerverletzte angeboten. „Diese gab es aber zum Glück nicht“, so Meyknecht. Ob und in welcher Stärke die Patienten eine Reizgasintoxikation erlitten hatten, wurde anhand des Sauerstoffgehaltes im Blut bzw. mittels Blutgasanalyse festgestellt und entsprechende Medikamente verordnet. Glück im Unglück: Bis auf zwei Patienten konnten bis zum Abend alle wieder entlassen werden.

„Allein der Bedarf an Blutabnahmeröhrchen war ja viel höher als an jedem anderen Tag“, so Meyknecht. So versorgten unter anderem das Labor, das Lager oder die Zentralapotheke die ZNA schnellstens mit benötigten Materialien und Medikamenten. Andere Kliniken im Hause sandten Mitarbeiter aus der Ärzteschaft oder der Pflege in die ZNA ab. „Wir haben sozusagen eine zweite Behandlungslinie gefahren“, erklärt Dr. Bald und meint damit, dass neben der Versorgung der Gasverletzten auch der Routinebetrieb weitergelaufen ist, ohne dass diese Patienten sich „zurückgesetzt“ fühlen mussten. „Schließlich wussten ja auch diese Patienten schnell von dem Unglück und zeigten sich absolut mitfühlend“, sagt Dr. Bald.

Bilder von den Aufräumarbeiten

Aufräumarbeiten nach Rauchgas-Alarm in Lüdenscheid

Sein Dank gilt auch dem pflegerischen und ärztlichen Team, dass in dieser Krisensituation super zusammengearbeitet habe. Zudem den Kollegen aus der Technischen Abteilung, die schnell zahlreiche Stühle für die Wartenden herbeigeschafft haben. Ebenso der Küche, die für die Stärkung der übermüdeten Feuerwehrleute und anderen Verletzten mit einem guten Frühstück gesorgt hat. Und nicht zuletzt den Patienten selbst dankt das Team der ZNA, die allesamt verständnisvoll und freundlich waren.

„Wir wissen nun eindeutig, dass unsere Notfallpläne gut greifen und alle relevanten Stellen hervorragend mitarbeiten“ so Dr Bald, der insoweit dem Unglück auch noch Positives abgewinnen kann. Bereits Ende November 2012 hatte man sich im Klinikum auf eine Notfall-Situation vorbereitet: Damals sollten Patienten aus dem Klinikum Dortmund aufgrund eines Bombenfundes aus dem 2. Weltkrieg nach Lüdenscheid evakuiert werden. Doch die Bombe konnte kurz vorher entschärft werden.

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