Klinikum Lüdenscheid

Patient wartet zehn Stunden in der Notaufnahme: "extreme Belastung"

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Die Notaufnahme in Lüdenscheid.

Lüdenscheid – In der Notaufnahme werden Patienten nicht in der Reihenfolge ihres Eintreffens, sondern nach Dringlichkeit behandelt. Längere Wartezeiten sind daher in einigen Fällen oft an der Tagesordnung. Doch nach zehneinhalb Stunden Wartezeit in der Notfallambulanz des Klinikums Lüdenscheid war Heinz Schulz Anfang November „der Verzweiflung nahe“, wie er unserer Redaktion schrieb.

Dabei lobt er aber die Arbeit des Personals: „[...] sie schuften und rennen, bis sie fast umfallen.“ Seine Kritik gilt dem „fürchterlichen Zustand“, dem Mangel an Personal, der behoben werden müsse: „Wenn man dann in den Zeitungen am Jahresende liest, die Barmer oder auch andere Krankenkassen haben Gewinn im abgelaufenen Jahr erwirtschaftet, sträuben sich mir die Haare. Sie sparen in jeder Beziehung, um am Jahresende mit einer guten Bilanz dazustehen, anstatt diese Gelder dort einzusetzen, wo sie so dringend benötigt werden“, schreibt Heinz Schulz weiter. 

Sein Fall: Wegen sehr starker Schmerzen im Wirbelsäulenbereich, so „dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte“, wurde er von seinem Hausarzt in die Notfallambulanz überwiesen, erzählt er. „Man schob mich dann in ein Ambulanzzimmer, mit dem Kommentar, der Arzt kommt gleich.“ Doch erst nach zehneinhalb Stunden sei er behandelt worden. 

Heinz Schulz erwähnt, dass er Diabetiker ist und alle drei Stunden Nahrung zu sich nehmen muss. Um eine Unterzuckerung zu verhindern, habe sein Sohn ihn versorgt. 

Wartezeit war deutlich zu lang

Dass die Wartezeit tatsächlich deutlich zu lang war, bestätigt Andrea Kleff von der Pressestelle des Klinikums. Der Grund: Ein überdurchschnittlich hohes Patientenaufkommen mit schwer Erkrankten und Verletzten, sagt sie. Generell gelte: Sobald ein Patient in der Notaufnahme aufgenommen wird, werde er von einem medizinischen Koordinator in Augenschein genommen, „der bestimmt die Behandlungsdringlichkeit“. 

Kleff betont, dass das Klinikum aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Details zum Behandlungsverlauf an diesem Tag herausgeben darf. Klar sei aber, dass der Patient als „Grün“ eingestuft wurde. Das bedeutet, seine Situation wurde vom medizinischen Personal als stabil eingeschätzt, die Wartezeit hätte aber dennoch einige Stunden kürzer sein sollen. 

Ein Tag in der Notaufnahme ist nicht planbar

Nicht nur die vielen Patienten an diesem Tag, auch die „extrem hohe personelle Belastung“ hätten das aber unmöglich gemacht. Unter anderem habe es krankheitsbedingte Personalausfälle gegeben. Grundsätzlich sei die personelle Situation in Ordnung: „Das Personal wird immer entsprechend den Erwartungen in einer durchschnittlichen Situation geplant“, erklärt Kleff. 

Doch in einer Notaufnahme, die Patienten grundsätzlich ungeplant aufsuchen, sei unmöglich vorhersehbar, wie ein Tag ablaufen wird. „Der Eindruck des Patienten ist dann natürlich verständlich“, sagt sie. Ob Heinz Schulz als Diabetiker auf sich aufmerksam gemacht hat, bleibt unklar. 

In der Regel werden aber auch in der Notaufnahme ab und an Sandwiches oder andere Kleinigkeiten ausgegeben, sagt Kleff. Doch wenn das „gesamte Personal eingebunden ist, passiert das nicht regelmäßig. Das ist in einer Notaufnahme auch erst mal nicht so vorgesehen“. Wasser stehe immer zur Verfügung, „und wenn Patienten Hunger oder Durst äußern, bekommen sie auch etwas“. 

Immer mehr Patienten kommen unbegründet

Dass es immer öfter zu langen Wartezeiten komme, begründet Kleff insbesondere damit, dass immer mehr Patienten in die Notaufnahme kommen. Nicht immer sei das nötig. „Wir erleben, dass ein Patient beispielsweise seit Tagen eine Nagelbettentzündung hat – doch statt zu den normalen Öffnungszeiten den Hausarzt aufzusuchen, kommt er am Mittwochnachmittag in die Notaufnahme.“ 

Ihr Appell: „Leicht Erkrankte sollten zum Hausarzt gehen, dann wären in der Notaufnahme viele Situationen besser zu händeln.“ Kleff verweist dafür auf den kassenärztlichen Notdienst, der deutschlandweit unter der Rufnummer 116 117 erreichbar ist. Er springt ein, wenn die Hausarztpraxis geschlossen hat, „die Ärzte kommen teilweise sogar zu einem nach Hause“.

Bei einem schweren Frontal-Unfall in Lüdenscheid wurden drei Personen verletzt. Eine Mutter mit ihrem Kind wurde ins Klinikum Hellersen eingeliefert

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