„Ich habe viel dazugelernt“

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Geschäftsführer Jörg Grote, Jörg Geßler, Stabsstelle Arbeit, Bürgermeister Dieter Dzewas, Robert Mally und Ausbildungspate Hans Funke (von links).

Lüdenscheid - Schule? Hauptschule. Geburtsland? Polen. Das ist im Normalfall nicht die ideale Eintrittskarte für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Robert Mally, 21, ist nach der Ausbildung zum Mechatroniker und einer laufenden Weiterbildung zum Kundendiensttechniker europaweit unterwegs, künftig auch weltweit, und verdient „sehr vernünftiges Geld“, wie er im Gespräch mit Bürgermeister Dieter Dzewas offen sagt. Bei der Fa. Noltronic Grecon Greten GmbH & Co. KG am Brockhauser Weg ist er gelandet, weil sein Pate ihn dorthin gelotst hat. Hans Funke, selbst langjähriger Geschäftsführer des Herstellers von Messtechnik-Systemen, erkannte das Potenzial des jungen Stadtpark-Schülers, besorgte ihm dort erst ein Praktikum und später die Ausbildungsstelle. Jörg Grote, der aktuelle Geschäftsführer des seit 70 Jahren in Lüdenscheid bestehenden Unternehmens, hätte Mally „von der Papierform her vielleicht nicht eingestellt“. Doch Mally identifiziert sich mit der „Top-Firma“ und Grote hat in Malls Lebenslauf auch die Herkunft als Stärke entdeckt. Dass der junge Mitarbeiter auch fließend polnisch spricht, ist für einen Betrieb mit 90 Prozent Exportanteil bei Kundenbesuchen in Osteuropa durchaus von Vorteil.

Die nicht ganz selbstverständliche Karriere ist Erfolg für das Projekt „PfAu“, Paten für Ausbildung, das es seit etwa 2007 in Lüdenscheid gibt. Männer und Frauen mit pädagogischem Hintergrund oder aus der Wirtschaft wie in diesem Fall Funke kümmern sich ab der 9. Klasse um Haupt- oder Gesamtschüler, die Potenzial mitbringen, ohne Kontakte und individuelle Förderung aber mit Schwierigkeiten zu rechnen haben, eine Lehrstelle zu bekommen.

Beratung, Unterstützung bei der Bewerbung und vor dem Vorstellungsgespräch, vielleicht auch ein bisschen Konfliktmanagement, wenn es am Anfang nicht ganz rund läuft, das machen derzeit acht Lüdenscheider mit jeweils meist zwei Schützlingen parallel. Und es könnten durchaus noch einige mehr sein, hofft Jörg Geßler aus der Stabsstelle Arbeit und Wirtschaft im Rathaus (Tel. 17 10 90). Funke, der das seit vier Jahren ehrenamtlich macht, ist „neugierig auf die jungen Leute. Und ich habe dabei viel dazugelernt.“

Bei einem anderen Personalproblem kann er seinem Ex-Betrieb zurzeit nicht helfen. Grecon bildet weiter jährlich aus, und zwar Kauffrauen für Büromanagement, Technische Produktdesigner und sucht für dieses Jahr noch einen Mechatroniker. - flo

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