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Pastor aus Lüdenscheid bringt Hilfsgüter im Kleinbus an die ukrainische Grenze

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Von: Thomas Machatzke, Fabienne Schwarzer

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Männer beladen Kleinbus mit Hilfsgütern
Am Dienstag wurden in Hellersen zwei Kleinbusse der Hilfsorganisation ADRA der Siebenten-Tags-Adventisten mit Hilfsgütern befüllt. Pastor Dima Matsela (rechts) und Chefarzt Dr. Bernd Lasarzewski (rechts) bei der Arbeit. © Cedric Nougrigat

Es gibt nicht nur, aber auch in Lüdenscheid eine große Welle der Hilfsbereitschaft für die Not leidenden Menschen im Kriegsgebiet in der Ukraine. Aus der Bergstadt laufen – unabhängig voneinander – zwei Hilfsaktionen. Eine davon auf private Initiative, die andere auf Initiative der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Verbindung mit der Sportklinik in Hellersen.

Lüdenscheid – Dima Matsela ist seit 2015 Pastor der Siebenten-Tags-Adventisten in Lüdenscheid. In Deutschland lebt er seit 2009, hat hier seine Prediger-Ausbildung gemacht. Doch seine Heimat und auch die Heimat seiner Frau – das ist Kiew. „Meine Verwandten sind seit sechs Tagen in Kiew im Bunker“, sagt Matsela, „meine Mutter, die Familie meiner Schwester, auch meine Schwiegeleltern. Sie alle leiden.“ Und Matsela leidet aus der Ferne mit ihnen, hat Angst und will helfen.

Vor allem Verbandsmaterial und Medikamente würden benötigt, sagt Matsela. Über Dr. Bernd Lasarzewski, Chefarzt der Sportklinik und aktives Gemeindemitglied bei den Siebenten-Tags-Adventisten, kam der Kontakt nach Hellersen zu Stande. Und so wurde gesammelt. Am Dienstagnachmittag wurden in Hellersen zwei Kleinbusse der Hilfsorganisation ADRA der Siebenten-Tags-Adventisten mit Operationsdecken, Verbandsmaterial, Schutzkitteln und Infusionen befüllt.

Gesamtgewicht: 600 bis 700 Kilogramm. Mit einem der Busse machte sich Matsela selbst auf in die polnische Stadt Chelm, den zweiten Bus steuert ein Gemeindemitglied aus Gummersbach. Von Chelm aus werden die Hilfsgüter weiter mit Lkw in die Ukraine gebracht.

Pastor aus Lüdenscheid bringt Hilfsgüter im Kleinbus an die ukrainische Grenze

Für Dima Matsela ist damit die Hilfsaktion aber längst nicht beendet. In den beiden Bussen wollen der Wahl-Lüdenscheider und sein Kollege aus Gummersbach Flüchtlinge aus dem Grenzgebiet in Polen nach Lüdenscheid mitbringen. „Die Berichte haben es zuletzt gezeigt, dass Polen, Slowenien und Rumänien allein das nicht schaffen können“, sagt Matsela. 15 Plätze werden in den Bussen vorhanden sein, auch eine Unterbringung ist geklärt: Die Flüchtlinge werden im Bergheim, einer Erholungsstätte der Siebenten-Tags-Adventisten, in Mühlenrahmede unterkommen. „Für den Anfang“, sagt Matsela, „von dort aus werden wir uns dann um Unterkünfte und Wohnungen kümmern.“ 1500 Kilometer pro Tour – am Freitag hofft Matsela mit beiden Bussen wieder im Sauerland anzukommen. Alles Weitere soll sich danach ergeben.

Ortswechsel. Firma Westphal, An der Steinert. Liliya Plyatskovska stammt selbst aus der Ukraine und will mit einer Spendenaktion helfen. Damit, dass eine so große Welle an Solidarität auf ihren Aufruf folgt, hat sie nicht gerechnet.

Vier Personen vor Hilfsgütern
Mit vereinten Kräften verwalten Liliya Plyatskovska (rechts), ihre Tochter Jessica Plyatskovska (links neben ihr) und ungefähr 20 andere Helfer die Spenden. © Fabienne Schwarzer

„Wir dachten es kommen vielleicht 20 Säcke mit Spenden zusammen“, sagt Ralph Baumann, einer der Helfer. Nach zwei Tagen ist klar, dass sie, um die Spenden zu transportieren, zwei Vierzigtonner-Auflieger beladen werden müssen. Unter den Spenden befinden sich vor allem Winterkleidung, Hygieneartikel, Lebensmittel und Babynahrung.

Die Aktion ist privat organisiert worden. Die gegenüberliegenden Unternehmen Rosvitha Westphal und Daume GmbH stellen ihre Grundstücke zur Verfügung, wo die Spenden entgegengenommen werden. Die Lastwagen und Fahrer stellt das Speditionsunternehmen Trucking Service kostenlos zur Verfügung. Außerdem der Geschäftsführer der Daume GmbH, Stephan Daume, den Gabelstapler, um die Spenden auf den Europaletten zu transportieren.

Der erste Sattelschlepper wurde am Montag losgeschickt

Auch René Westphal ist unter den Helfern. Er sagt: „Nie hätte ich damit gerechnet, dass so viele Spenden zusammenkommen würden. Ich bin sehr dankbar und stolz, dass wir das alles in privater Organisation auf die Beine stellen konnten.“ Durch ihn konnte die Aktion ins Leben gerufen werden. Er sei ein guter Freund von Liliya Plyatskovska, die unbedingt helfen wollte: „René fragte nur was er tun solle, und ich sagte: ‚Wie wäre es mit einer Spendenaktion?‘ “, erklärt Plyatskovska.

Der erste Sattelschlepper wurde am Montag losgeschickt. Er bringt die Spenden an die polnisch-ukrainische Grenze, wo die Flüchtlinge aus der Ukraine sofort versorgt werden können. Für Liliya Plyatskovska ist das eine Herzensangelegenheit, denn große Teile ihrer Familie sind noch in der Ukraine, darunter ihre Eltern, ihr Bruder und ihre Nichte. Etwa 30 bis 35 voll beladene Europaletten passen auf einen Lkw. Ralph Baumann ist stolz: „Der Märkische Kreis hält zusammen.“

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