Erst ausgegrenzt, heute etabliert - "Die Grünen"

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Otto Bodenheimer (li.) und Hermann Morisse kennen die 30-jährige Geschichte der Partei „Die Grünen“ im Lüdenscheider Stadtrat.

Lüdenscheid - Nein, einfach waren die Anfänge nicht: „Wir saßen auf der Weihnachtsfeier des Rates ganz allein am Tisch. Wenn wir jemanden aus den anderen Parteien ansprachen, duckten sie sich weg“, erinnert sich Hermann Morisse, Gründungsmitglied der Grünen vor gut 30 Jahren.

1984 zogen „Die Grünen“ mit ihm und Silvia Dost erstmals in den Stadtrat ein und ernteten von den anderen im Rat vertretenden Parteimitgliedern aus CDU, UWG und SPD nicht mehr als ein müdes und abschätziges Lächeln. „Ergriffen wir das Wort, wurde dazwischen gequatscht, um uns zu verunsichern.“

„Außerdem dachten wohl alle, dass sich das mit den Grünen sowieso schnell wieder erledigt hat“, ergänzt Otto Bodenheimer, der es damals im Bauausschuss unter Leitung von „Auwi“ Cordt (CDU) auch nicht leicht hatte. Aber die Mitglieder der Grünen, die sich aus einer Bürgerinitiative gegen Atomraketen und Atomkraft zusammengetan hatten, besannen sich nach ersten persönlichen Auseinandersetzungen auf die inhaltliche Arbeit. Zwei, drei Jahre habe es gedauert, bis klar war, dass die Devise „Wir wollen alles und das sofort“ nicht hilfreich war. Die Konzentration auf die Formulierung lokaler Ziele – sei es in den Bereichen Verkehr (mehr Tempo-30-Zonen), Umwelt (Baumschutzsatzung), Müll (getrennte Sammlung) oder Kinder und Jugendarbeit (zwei Fachkräfte pro Einrichtung), um nur einige zu nennen – stieß durchaus auf Zustimmung. Nach den Kommunalwahlen 1989 kam mit Heike Doradzillo ein drittes Ratsmitglied dazu. „Wir möchten auch in den kommenden Jahren als ,Salz in der Suppe’ den faden Geschmack, den Lüdenscheider Kommunalpolitik leicht hervorrufen könnte, mit der unbedingt nötigen Würze versehen!“, hatten sie vor der Wahl in ihrem Leitwort zum 36-seitigen Programm formuliert.

Mit einer alternativen Stadtzeitung positionierten sich die Grünen, deren Ziele auch in der lokalen Presse kaum Widerhall fanden. „Die LN wollten damals auch nichts von uns wissen und bekämpften uns“, sagt Hermann Morisse. Das ist heute Schnee von gestern. „Wir haben Politik gemacht und machen Politik, die an der Sache orientiert ist und sind sicherlich kompromissbereiter geworden.“ Das gelte aber auch für die anderen Parteien. Anfangs habe er eine Kooperation zwischen SPD, FDP und Bündnis90/Die Grünen nicht für möglich gehalten. Aber es habe sich gezeigt, dass dabei durchaus etwas herumkomme. „Der menschliche Faktor spielt auch eine große Rolle“, sagt Otto Bodenheimer. Der fehlte vor 30 Jahren und auch das Verständnis und die Offenheit für die Neulinge auf der lokalpolitischen Bühne.

Von Martin Messy

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