„Parlar cantando" singt Bach und Mozart

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Selbstbewusst zeigten sich die Interpreten in der Kirche Maria Königin bei ihrem Konzert.

LÜDENSCHEID - Zwei in hohem Maße tief beeindruckende Werke in ein Programm zu nehmen, dazu bedarf es einer großen Portion Selbstbewusstsein. Der einst über drei Jahrzehnte an der städtischen Musikschule tätige Volker Freibott ging als musikalischer Leiter und Dirigent des Vorhabens das Risiko an.

Im Ergebnis zeigte dies in der katholischen Kirche Maria Königin eine bestechende Interpretation der Kantate „Actus tragicus“ von Johann Sebastian Bach sowie eine gediegene Aufführung von Mozarts Requiem.

Überragender Klang des kleinen Chores wie auch des exzellent besetzten Streicher-Continuos bildeten die Basis für eine blitzsaubere Aufführung von Bachs „Actus tragicus“. Dies gilt auch unter dem Aspekt inhaltsbezogener Klangfarbe. Hinzu kam, dass der schwierige Flötenpart bestechend absolviert wurde. Solistisch ragte Sopranistin Petra König-Gurian heraus, selbst in großer Höhe ohne Mühen und feinem Glanz agierend. Bassist Plamen Hidjov schaffte den Spagat zwischen tiefem Part und dem weiteren in großer Höhe spielerisch leicht. Stefan Kuhlich (Tenor) und Eva-Maria Benning (Alt) boten solide Leistungen.

Schon die ersten Takte des Mozart’schen Requiems verwiesen auf treffliche Transparenz und angezogene Tempi. Eine Aufführung aus einem Guss, die ein wenig auf Kosten des dunkel-tragischen Ausdrucks, wie im Introitus, an anderer Stelle der Innigkeit, ging. Volker Freibott hatte den aus zwei Ensembles gebildeten Chor gut im Griff, führte ihn durch Höhen und Tiefen des Requiems. Zur überwältigenden Klangfarbe für einen Amateurchor gesellten sich Beweglichkeit, Dynamik und Ausgewogenheit. Das Münsteraner Kourion-Orchester wirkte angenehm zurückhaltend und doch sehr gut vernehmbar. Erfreulich, dass die Streicher die feine Differenzierung Mozarts zur Geltung brachten.

Bassist Plamen Hidjov bereitete im Requiem bei seinen Einsätzen großen Hörgenuss. Altistin Eva-Maria Benning setzte sich zusehends mit ihrer warmen Stimme durch.

Der wohlgefällige Tenor Stefan Kuhlich beließ es über weite Strecken bei einer narrativen Interpretation. Petra König-Gurians Sopran entzog sich phasenweise der Vernehmbarkeit.

Dennoch verfehlte diese Aufführung ihre große Wirkung nicht, und ein dankbares Publikum spendete großen Applaus. - usc

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