Eine Parkuhr fürs Virtuelle Museum

Als das Parken noch ein paar Groschen kostete

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Parkuhren wie diese prägten früher das Bild entlang vieler Innenstadtstraßen.

Lüdenscheid – Sie funktioniert in etwa so wie ein traditioneller, analoger Zeitmesser in der Küche: Die gewünschte Dauer, in dem Fall nicht fürs Backen, sondern fürs Parken, wird am Drehknopf eingestellt und zählt rückwärts runter. Allerdings mussten dafür erst ein paar Groschen eingeworfen werden. Eine Parkuhr ergänzt ab sofort das Virtuelle Museum. Betrieben wurde sie von der Wirtschaftsförderung der Kreisstadt Lüdenscheid (WKL) in der Zeit von 1992 bis 1995.

Wer genau hinschaut, erkennt auf dem roten Korpus, oberhalb des Schlosses zur Entleerung des Münzfaches auch noch das Stadtwappen mit dem Heiligen Medardus. Im Dezember 2012 schenkte die WKL die Parkuhr den Museen. Wo genau in Lüdenscheid das Gerät gestanden hat, ist dabei nicht notiert worden. Wer vor 25 und mehr Jahren mit dem Auto in der Stadt unterwegs war, wird sich erinnern, dass zum Beispiel im Bereich der Knapper Straße solche Parkuhren aufgestellt waren.

Bezahlt werden musste – so besagen es die Plaketten auf der Uhr – werktags zwischen 8 und 19 Uhr, und zwar 20 Pfennige für eine Viertelstunde. Eingeworfen werden konnten ausschließlich 10-Pfennig-Stücke. Viele Autofahrer hatten seinerzeit immer ein paar Groschen im Auto parat liegen. Nach jeder Münze konnte das Rad an der Uhr, um eine entsprechende Zeitspanne weitergedreht werden. Die Uhr lief rückwärts und wenn sie abgelaufen war, zeigte das eine rote Klappe an, so dass Politessen leicht erkennen konnten, wann sie ein Knöllchen schrieben mussten.

Das Münzfach musste regelmäßig geleert werden.

Die ersten Parkuhren wurden 1935 in den USA, in Oklahoma City aufgestellt. Ihre Erfindung wird dem Amerikaner Carlton Cole Magee aus North Dakota zugeschrieben, der 1935 ein Patent einreichte. In Europa war 1952 das schweizerische Basel die erste Stadt, die Parkuhren aufstellte. 1954 war dann Duisburg die erste Stadt in Deutschland, die das gebührenpflichtige Parken einführte – und sich den Zorn der Bevölkerung zuzog. es wurde debattiert, ob Gebühren für das Parken mit dem verkehrsrecht vereinbar waren. Zum 1. Mai 1956 wurde die Straßenverkehrsordnung geändert und das gebührenpflichtige Parken legitimiert. Dem Siegeszug der Parkuhren stand nichts mehr im Wege. 

Nach 48 Jahren war ihre Zeit in Deutschland dennoch endgültig abgelaufen: Mit der Einführung des Euro 2002 wurde die klassische Parkuhr, die mit Münzen gefüttert wurde, weitgehend abgeschafft. Die Umrüstung der Parkuhren auf den Euro hat sich meist nicht mehr gelohnt. Bereits seit den 1990er-Jahren waren in Deutschland ohnehin immer mehr Parkuhren durch Parkscheinautomaten ersetzt worden. In dieser Zeit wurde auch dieses Museumsstück von der WKL ausgemustert.

Hier steht, zu welchen Zeiten Parkgebühren bezahlt werden Mussten

Während Parkuhren zumindest in Deutschland fast ausgedient haben, gilt das für die sogenannte Parkraumbewirtschaftung nicht – gebührenpflichtige Parkplätze sind nach wie vor, oder auch mehr denn je, die Regel. Lediglich die Form der Abrechnung hat sich geändert, inzwischen braucht man nicht einmal unbedingt mehr Kleingeld. Neue Techniken erlauben vielerorts nicht nur das Bezahlen mit EC- oder Kreditkarte, sondern auch via App per Handy. Das gilt für Parkscheinautomaten wie für Parkuhren, wo es sie noch gibt. Für Autofahrer haben letztere den Vorteil, dass die Restparkzeit von einem Nachfolger auf dem Parkplatz weiter genutzt werden kann.

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