Parkpalette: Stadt schätzte Kosten noch 2009

LÜDENSCHEID ▪ War der jüngste, heftige Streit im Stadtrat um eine Deckelung der Kosten für den Neubau der Parkpalette Corneliusstraße unnötig? Bekanntlich hatte die Stadtverwaltung vorher erklärt, dass die vorliegenden Kostenschätzungen aus dem Jahr 2006 stammten, daher nicht mehr aktuell seien und man somit auch nicht sagen könne, ob man mit den veranschlagten 2,1 Millionen Euro auskommt. Wie den LN jetzt bekannt wurde, gibt es aber eine detaillierte und deutlich aktuellere, allerdings rathausinterne Kalkulation der gesamten Kosten – und zwar aus dem März letzten Jahres. Sie ist also drei Jahre aktueller als die von 2006.

Daraus, so hieß es gestern, gehe hervor, dass ein Neubau für 1,9 Millionen Euro zu realisieren wäre – ohne ein Dach, das aktuell auch nicht mehr vorgesehen ist. Zwar können sich Abriss- und Baukosten auch binnen anderthalb Jahren noch stark verändern. Dennoch sind die konkreten Zahlen aus dem Frühjahr 2009 interessant: Sie werfen vor allem die Frage auf, warum die heiß diskutierenden Ratspolitiker darüber offenkundig im Vorfeld nicht informiert worden waren.

Die Berechnungen waren offenbar angestellt worden, als es noch um den Vergleich der Bau- und Unterhaltungskosten zwischen dem 2009 noch im Rennen befindlichen Lüdenscheider Privatinvestor und einem Eigenbau der Stadt ging, wie er jetzt realisiert werden soll. Die städtische Kalkulation von 2009 sah nach LN-Informationen Gesamtkosten von 1,9 Millioneen Euro ohne Dach und 2,06 Millionen mit Dach vor. Auf rund 80 000 Euro wurde das jährliche Minus taxiert, das sich aus Finanzierungs- und Betriebskosten auf der einen Seite und den Einnahmen auf der anderen ergab.

Die notwendige Sicherung der Rückwand sollte 240 000 Euro kosten, der Abbruch gut 180 000, der Neubau selbst etwa 910 000 Euro. Mit Posten wie Statik, Gutachten oder Mehrwertsteuer kam man vor 18 Monaten auf die Gesamtsumme von 1,9 Millionen Euro – ohne die 150 000 Euro für das Dach.

Wie sich Preise und damit Kalkulationen verändern können, zeigt zudem eine öffentliche Beschlussvorlage aus dem Jahr 2007: Damals hatte die Stadtverwaltung die Kosten für Abriss und Neubau noch auf 2,2 bis 2,4 Millionen Euro taxiert. Am vergangenen Montag hatte die CDU bekanntlich eine Deckelung der Kosten auf 2,1 Millionen Euro verlangt – was in der Konsequenz aber bedeutet hätte, dass schon eine geringfügige Überschreitung der Kosten alle Paletten-Pläne zum Einsturz bringen würde.

Auch der Zusatzvorschlag der Union, die Architekten mit einem Modul-Konzept zu beauftragen, um den Neubau bei Kosten oberhalb von 2,1 Millionen Euro abspecken zu können, wurde verworfen – mit dem Argument, dass man so zum Beispiel eine Statik nicht planen könne.

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