Lüdenscheider Parkpalette soll weg

Plan für die Innenstadt: Abriss von Parkpalette und großflächiger Einzelhandelimmobilie

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Die Parkpalette wird von der Verwaltung als „städtebauliche Störung des sonst intakten historischen Stadtgrundrisses“ bezeichnet und als „städtebaulicher Missstand“.

Es könnte nach dem Altstadtumbau das nächste, weit reichende Sanierungsprojekt in der Innenstadt werden: Im Raum steht der Abriss der Parkpalette Turmstraße und einer weiteren, nicht näher bezeichneten Einzelhandelsimmobilie im südlichen Altstadtbereich. Für die bahne sich ein Leerstand an, wie es in einer Verwaltungsvorlage heißt. Die Stadt möchte sich bei der Gelegenheit stadtgestalterische Optionen offenhalten. Ein zweites Forum, ein zweites Sinn-Leffers, wo es jahrelangen Leer- und Stillstand gab und noch gibt, will man offensichtlich vermeiden.

Lüdenscheid - Aber noch steckt die Stadtverwaltung bezüglich des „neuen städtebaulichen Lösungsansatzes“ eher vorsichtig ihre Fühler aus – zumindest nach außen. In der internen Diskussion scheinen die Planungen für einen Abriss der Parkpalette konkreter zu sein. Darauf lässt die Vorlage schließen, die im Bau- und Verkehrsausschuss und am 5. Oktober im Rat (17 Uhr, Kulturhaus) diskutiert werden soll.

Dass die Stadtvertreter nicht ganz glücklich sind mit der Parkpalette, wurde zuletzt bei einem Altstadt-Rundgang mit Vertretern der Denkmalschutzbehörde beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe thematisiert (wir berichteten). Dagmar Däumer vom Fachdienst Stadtplanung und Geoinformation hatte bei der Gelegenheit mit Blick auf die Parkpalette angemerkt, man müsse gucken, ob man Alternativen findet, „oder ob das langfristig da stehen soll“.

In der Verwaltungsvorlage wird die Parkpalette nun offiziell als „städtebauliche Störung des sonst intakten historischen Stadtgrundrisses“ bezeichnet und als „städtebaulicher Missstand“. Die Fläche werde nicht so genutzt, wie sie genutzt werden könnte und „schmälert dabei einen wertvollen historischen Stadtkern“, heißt es dort weiter.

Städtebauliche Störung

Der sich anbahnende Leerstand eröffnet nun offensichtlich weitere Optionen. Ob eine Neuansiedlung eines großflächigen Einzelhandels dort noch zeitgemäß und realistisch sei, ist laut Vorlage fraglich. Der Lösungsvorschlag: „Das Parken kann möglicherweise an Stelle der auslaufenden Einzelhandelsimmobilie weitaus effizienter und gestalterisch anspruchsvoller organisiert werden.“ Mit anderen Worten: Für das, was durch die Parkpalette wegfällt, könnte – moderner, großzügiger, zeitgemäßer – an dem Noch-Immobilienstandort Ersatz geschaffen werden.

Dafür müsste die Stadt oder ein Investor aber zunächst die fragliche Immobilie kaufen. Um welche es sich handelt, konnte Stadtsprecher Sven Prillwitz nicht sagen. Vermutungen, es könne sich angesichts der räumlichen Nähe um den Adler-Modemarkt an der Schillerstraße handeln, ließen sich nicht bestätigen. Unternehmenssprecherin Jasmin Dentz versicherte auf Nachfrage: „Wir wollen die Filiale in Lüdenscheid kurzfristig nicht schließen.“

NRW-Förderprogramm

Diese Pläne stehen unter dem Stichwort „Unterstützungspaket ‘Einzelhandelsgroßimmobilien’“ und sind als solches Teil eines Förderantrages, bei dem die Stadt auf Gelder aus dem „Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in Nordrhein-Westfalen 2020“ hofft. Der kommunale Eigenanteil beträgt zehn Prozent. Zum Unterstützungspaket gehören unter anderem Machbarkeitsstudien. Das NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung stellt angesichts der Lockdown-Folgen 70 Millionen Euro bereit, um die von Leerstand und Schließungen betroffenen Städte zu unterstützen.

Dazu gehört auch ein weiteres Hilfspaket: der Verfügungsfonds Anmietung. Dahinter verbirgt sich, dass mit Landesgeldern in einem festgelegten „Konzentrationsbereich“ die Anmietung von leer stehenden und von Leerstand bedrohten Ladenlokalen gefördert werden kann. So soll Frequenz in die Innenstädte gebracht werden – etwa durch Start-ups, Kultur- oder Bildungsangebote oder auch Direktverkauf landwirtschaftlicher Produkte. Förderfähig sei laut Vorlage die Anmietung von Ladenlokalen bis zu einer Größe von 300 Quadratmeter bei einem Mietzins von bis zu 70 Prozent der Altmiete. Bei Weitervermietung dürfte die Stadt die Altmiete um bis zu 80 Prozent reduzieren: „Der Differenzbetrag zwischen Kosten und Einnahmen ist mit 90 Prozent förderfähig.“ Dieser „Anmietungsbaustein“ umfasst für die Dauer von drei Jahren 100 000 Euro pro Jahr.

Die Zeit drängt: Der 16. Oktober ist Stichtag. Bis dahin muss der Förderantrag bei der Bezirksregierung Arnsberg sein. Die Bewilligung soll noch bis Ende dieses Jahres erfolgen.

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