Behörden-Hickhack im MK

Park-Chaos in der Sackgasse: Amt bremst Planer aus - jetzt wird es RICHTIG teuer

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Alle Parkplätze (hier rechts) vor den Mehrfamilienhäusern sind verpachtet. Morgens und abends parken die Anlieger daher auf dem Gehweg (links) und sorgen so für beengte Verhältnisse. Um die Situation zu entschärfen, legte die Stadt nun Pläne für eine Verkehrsberuhigung vor.

Lüdenscheid – Park-Chaos in einer Sackgasse in Lüdenscheid. Das wollten die Planer beseitigen und hatten eine preisgünstige Idee. Eine andere Behörde spielte aber nicht mit. 

Das ist ein Novum für die Lüdenscheider Verkehrsplaner: Um die angespannte Parksituation in der Straße Wacholderstück am Vogelberg zu entschärfen, entwerfen sie ein mit Anliegern und Immobilieneigentümer abgestimmtes Maßnahmenpaket. Die Politik begrüßt die Pläne, denn günstig ist es auch noch. 

Doch die Entwürfe kann die Stadtverwaltung wieder in die Schublade legen. Die gut gemeinte Verkehrsberuhigung bekommt Gegenwind aus unerwarteter Richtung. Die Straße Wacholderstück erschließt mehrere Mehrfamilienhäuser. 

Mehr Autos als Parkplätze in Sackgasse in Lüdenscheid

Anders als zur Zeit der Entstehung der Wohnblöcke verfügen viele Bewohner heute über ein Auto. Vor den Häusern befinden sich Parkplätze, die im rechten Winkel zur Fahrbahn angeordnet sind. Sie gehören der privaten Wohnungsbaugesellschaft, die alle Parkplätze verpachtet hat. 

Abends wird der Gehweg zugeparkt - gefährliche Situationen für Fußgänger

Da es keine weiteren Stellplätze gibt, parken die übrigen Anwohner nach Darstellung der Stadt den vorhandenen Gehweg zu. Dies wiederum führe dazu, dass es in der Straße abends und am frühen Morgen kaum Raum zum Manövrieren gibt. 

Die Lösung aus Sicht der Stadt: Die verpachteten Stellplätze sollen künftig in einem flacheren Winkel angefahren und entsprechend markiert werden. So benötigen Autofahrer beim Rangieren weniger Tiefe. Das Immobilienunternehmen lobte das Vorhaben. 

Die Lösung: Gegenüberliegender Bordstein sollte abgesenkt werden

Gleichzeitig sollte der gegenüberliegende Bordstein abgesenkt werden, um das Parken auf dem Gehweg zu erlauben. Damit sich Fußgänger dennoch sicher im Verkehrsraum bewegen können,wollte die Stadt „Berliner Kissen“ installieren und die Straße als Spielstraße deklarieren. Berliner Kissen sind Bremsschwellen, die auf die vorhandene Fahrbahn aufgebracht werden. Kostenpunkt für die gesamte Verkehrsberuhigung: 20. 000 Euro.

Kreispolizei hat Bedenken: Es ist eine Spielstraße

Doch daraus wird nichts. Verkehrsplaner Christian Hayer überbrachte den Politikern im Bau- und Verkehrsausschuss die schlechte Nachricht und äußerte sein Bedauern. Er berichtete, dass über die Kreispolizeibehörde auch der Märkische Kreis an der Maßnahme im Wacholderstück zu beteiligen war. 

In zwei Schriftstücken vom 1. August und vom 18. Oktober teilte demnach der Märkische Kreis der Stadt Lüdenscheid mit, dass das Vorhaben nicht zulässig sei. Der Grund: Spielstraßen – wie nun am Vogelberg geplant – müssten niveaugleich ausgebaut werden. Das sei bei der vorgelegten Verkehrsplanung nicht der Fall. 

Alternative soll bis zu 200.000 Euro kosten - zu teuer

Christian Hayer sprach von einem Novum. Die Alternative würde mit 200 000 Euro deutlich teurer, schätzt Hayer. Und er sieht noch ein anderes Problem – das der Nachhaltigkeit: „Wir müssten dann eine vollkommen intakte Fahrbahndecke, in der es keine Schlaglöcher gibt, erneuern.“ 

Daher habe man entschieden, die Verkehrsberuhigung gar nicht mehr durchzuführen: „Uns sind von Seiten der Stadt die Hände gebunden. Unser Spielraum ist erschöpft.“ So ganz aufgeben will Christian Hayer aber nicht. 

Er möchte noch einmal das Gespräch mit der Immobiliengesellschaft suchen – gegebenenfalls habe sie noch Möglichkeiten, auf dem eigenen Grundstück zusätzliche Parkflächen zu schaffen.

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