Mit Axt und Papas Auto Jagd auf Krankenwagen

LÜDENSCHEID – Wann immer Rettungsfahrzeuge der Lüdenscheider Feuerwehr mit eingeschaltetem Martinshorn an seinem Haus vorbeigefahren kamen, hatte sich der 24-Jährige belästigt und provoziert gefühlt.

Aus Sicht des psychisch kranken Mannes haben die Fahrer das Horn nämlich absichtlich immer genau bei ihm aufheulen lassen – um ihn zu ärgern. Am 23. April vergangenen Jahres war dem jungen Mann dann schließlich der Kragen geplatzt. Mit dem Ergebnis, dass er seit Mittwoch vor Gericht steht.

Als an diesem Tag ein Krankenwagen sein Haus passiert hatte, war er in das Auto seines Vaters gesprungen und hatte die Verfolgung des „Störenfrieds“ aufgenommen. An der Notaufnahme angekommen, hatte er sich quer vor den Krankenwagen gestellt und war zum Kofferraum gegangen – um eine Axt zu holen. Mit dem Werkzeug bewaffnet war er auf den „Feind“ zugestürmt und hatte kurzerhand die Frontscheibe durch zwei kräftige Schläge zum Zerbersten gebracht. Zudem soll er einen Kanister mit einer gelblichen Flüssigkeit dazugeholt haben.

Seit Mittwoch muss sich der 24-Jährige nun vor dem Hagener Landgericht verantworten. Im Mittelpunkt des Prozesses steht die Frage der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Der Lüdenscheider räumte die Vorwürfe gestern zum Großteil ein. Lediglich an den Kanister könne er sich nicht mehr erinnern. „Damals war ich davon überzeugt, dass die Sirenen absichtlich vor meinem Haus eingeschaltet wurden. Nachdem ich die Scheibe eingeschlagen hatte, habe ich das Beil weggelegt. Ich hatte das Gefühl, dass danach Ruhe war. Es ist spontan entstanden, ich plane so etwas nicht. Ich war sauer, weil es über mehrere Monate war“, so der Mann gestern. Inzwischen sei das jedoch kein Problem mehr für ihn. Er nehme jetzt Medikamente und spreche regelmäßig mit einer Psychiaterin.

Die 48 und 39 Jahre alten Insassen des Krankenwagens werden Tattag wohl so schnell nicht vergessen können: „Die Scheibe ist in 1000 Teile zerplatzt. Wir hatten Angst, was jetzt passiert. Wir waren unter Schock.“ Der 39-jährige Arzt gab an, der Beschuldigte habe damals erklärt, die Sirene störe ihn in seiner Privatsphäre. Wie auf Bestellung ging gestern just in diesem Moment vor dem Gerichtsgebäude eine Sirene los, was den Beschuldigten jedoch nicht zu stören schien. Dieser nutzte vielmehr die Gelegenheit, sich bei den beiden Zeugen zu entschuldigen: „Ich möchte mich persönlich entschuldigen. Ich würde es gern rückgängig machen. Ich wünschte, es wäre anders gekommen.“ Am 12. April wird der Prozess mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

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