Palliativmediziner bauen lokales Netzwerk auf

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Zu ihrem ersten Arbeitstreffen nach Ihrer Konstituierung im letzten Jahr trafen sich in Lüdenscheid die pallitativ arbeitenden niedergelassenen Ärtze des Märkischen Kreises

LÜDENSCHEID – Heimische Palliativmediziner geben den Startschuss für ein lokales Netzwerk. Ärzte aus Lüdenscheid und Umgebung wollen todkranken Patienten in den eigenen vier Wänden helfen.

„Im letzten Jahr haben wir uns konstituiert, heute treffen wir uns zu unserer ersten Arbeitssitzung“, begrüßte Dr. Dietrich Kämpe in dem Räumen seiner onkologischen Praxis Ärzte des Märkischen Kreises, die sich der Palliiativmedizin verschrieben haben.

In diesem Bereich der Medizin geht es darum, die Autonomie von Menschen, die unheilbar erkrankt sind, bis zu deren Tod weitestgehend zu erhalten. Es geht darum, dass die Patienten auf Medikamente und andere Maßnahmen so eingestellt werden, dass der Schmerz eingedämmt wird und der Alltag im Rahmen der Erkrankung gut lebbar ist.

"Förderung der Palliativmedizin nötig"

„Die Politik hat auf Bundesebene erkannt, dass es nötig ist, die Palliativmedizin zu fördern und dafür umfangreiche Finanzmittel bereitzustellen“, führte der Lüdenscheider Onkologe aus. Zwischen den Kassen und Leistungserbringern seien gute juristische Rahmenbedingungen ausgehandelt worden.

Palliativmedizin

Palliativmedizin ist nach den Definitionen der Weltgesundheitsorganisation und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin „die aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer voranschreitenden, weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung zu der Zeit, in der die Erkrankung nicht mehr auf eine kurative Behandlung anspricht und die Beherrschung von Schmerzen, anderen Krankheitsbeschwerden, psychologischen, sozialen und spirituellen Problemen höchste Priorität besitzt“. Nicht die Verlängerung der Überlebenszeit um jeden Preis, sondern die Lebensqualität, also die Wünsche, Ziele und das Befinden des Patienten stehen im Vordergrund der Behandlung.

„Der Wille von allen Seiten ist also da“, wusste Dr. Reimer Böhm aus Halver zu berichten. „Es geht momentan um die konkrete Umsetzung.“ Palliativleistungen stellen einen Einzelanspruch dar und müssen somit beantragt werden. „Bundesweit ist dies per Gesetz geregelt. In der Umsetzung gibt es von Seiten der Krankenkassen bezüglich der Kostenübernahme jedoch erhebliche Probleme“, erklärte Dr. Böhm weiter. „20 Prozent der Kosten im Vergleich zur klinischen Versorgung können durch palliativ arbeitende niedergelassene Ärzte beziehungsweise durch von ihnen beauftragte Leistungserbringer gespart werden.“ Im optimalen Fall bilden dabei Kliniken, Hausärzte, Pflegestationen und das Hospiz eine Einheit. „Multiprofessionelle Arbeit am Patienten nennt man das“, warf Friedrich Ernst von Seidlitz aus Altena ein. „Das ist der Idealzustand. Eines geht ohne das andere nicht“, meint Dr. med. Hoang Ha-Phuoc, dem Leiter des regionalen Schmerzzentrums Olpe.

24-Stunden-Versorgung durch Rufbereitschaft

Niedergelassene Ärzte, die palliativ arbeiten, haben sich über die praktische Erfahrung hinaus durch Fortbildungen spezialisiert, und auch Pflegedienste müssen durch speziell ausgebildete Schwestern die 24-Stunden-Versorgung durch Rufbereitschaft sicherstellen. „Erste Schritte sind also getan“, so Dr. Dietrich Kämpe, der seine Praxisräume am Rathausplatz als Koordinierungsstelle zur Verfügung stellte. „Die Vertreter der Tumortherapie sehen eine Chance darin, dass Patienten im Wissen, nicht heilbar zu sein, durch die Palliativmedizin bestens versorgt werden können.“ Die Patienten könnten so optimal betreut werden, im häuslichen Umfeld bleiben.

Ärzte aus Lüdenscheid, Altena, Meinerzhagen, Halver, Olpe und Werdohl arbeiten dabei zusammen. „Es gibt das Ärztenetz MK-Süd und die Lennetal GmbH. Wir brauchen jedoch noch mehr Kollegen, die sich einreihen“, so Dr. Dietrich Kämpe. „Damit das, was den Patienten vom Gesetz her zusteht, auch bei ihnen ankommt.“ - maya

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