Betrug mit falschem Pass

Paketbote übergibt Päckchen in Lüdenscheid und stutzt - dann geht er zur Polizei

Als ein Paketbote in Lüdenscheid ein Paket mit teurer Ware überreicht, wird er skeptisch und geht zur Polizei. Zurecht, wie sich herausstellt.

Lüdenscheid - Ein Paketbote überreicht in Lüdenscheid ein Paket mit teurer Ware. Doch danach kommt dem erfahrenen Versandfahrer etwas seltsam vor und geht zur Polizei. Zurecht, wie sich herausstellt.

StadtLüdenscheid
KreisMärkischer Kreis
Einwohnerca. 72.300

Betrug in Lüdenscheid: Paketbote riecht bei Zustellung Lunte

Die Justiz hat mehrere Anläufe gebraucht, um die 23-Jährige in Lüdenscheid auf die Anklagebank zu bekommen. Einige Male schon hat sie Strafrichter Andreas Lyra schnöde draufgesetzt. Jetzt hat Strafverteidiger Dirk Löber es tatsächlich geschafft, seine Mandantin zur Teilnahme an ihrem Strafprozess zu überreden. Es geht um Betrug. Die Angeklagte hat Widerspruch gegen ihren Strafbefehl über 1.350 Euro eingelegt.

Dolmetscherin Sabine Bodenheimer-Bode übersetzt ins Englische, was der Staatsanwalt der Nigerianerin vorwirft. Demnach wollte sich die Arbeitslose schnelle 300 Euro verdienen – und hat einem Bekannten aus Düsseldorf einen kleinen Gefallen getan.

Betrug in Lüdenscheid: Gefälschter niederländischer Pass mit Foto aus WhatsApp

Die Gaunerei macht auf den ersten Blick einen ausgeklügelten Eindruck. Es ging folgendermaßen: Der Düsseldorfer und ein Kumpel bestellen im Internet zwei Apple-Notebooks für 5.580 Euro. Als Lieferadresse geben sie das Mietshaus der Angeklagten in der Innenstadt an – und als Empfängerin eine Frau mit dem unauffälligen deutschen Namen einer Lüdenscheiderin.

Dann statten sie ihre Freundin mit einem gefälschten niederländischen Pass aus, in den sie ein Foto der 23-Jährigen kleben. Das Bild haben sie sich aus ihrem WhatsApp-Account heruntergeladen und ausgedruckt.

Betrug in Lüdenscheid: Teure Apple-Notebooks im Paket

Der Paketbote klingelt am 30. September 2019. Die Angeklagte öffnet die Tür, zeigt den holländischen Pass vor und unterschreibt mit dem falschen Namen. Offenbar hat das Trio nicht mit der Erfahrung des Versandfahrers gerechnet. Der schöpft Verdacht und erstattet Strafanzeige, aber zu spät.

Als die Polizei zugreift, sind die Apple-Notebooks schon in irgendwo in Düsseldorf. Der 300-Euro-Lohn für die Empfängerin hingegen unterliegt der sogenannten Wertersatzeinziehung und ist futsch. Dafür nimmt sie bald darauf an ihrer Haustür den schriftlichen Strafbefehl des Amtsgerichts in Empfang.

Richter Lyra denkt laut nach. „Das könnte man auch als Beihilfe zum Betrug oder sogar Geldwäsche bewerten. Darauf stehen mindestens drei Monate.“ Er gibt der Angeklagten und ihrem Verteidiger den guten Rat, den Einspruch gegen den schriftlichen Bescheid zurück zu nehmen, ansonsten: „Es wird nicht besser!“ Rechtsanwalt Löber braucht zwei Minuten, um seine Mandantin zu überzeugen. Die Sache ist erledigt.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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