Mit Blickrichtung in den Sonnenaufgang

Street-Art-Künstler besprüht Wand im MK aus dem Hubkran heraus

Paint the wall Lüdenscheid Martin Bender Street Art
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Der Künstler Martin Bender hat seine Arbeit an der Moskob-Wand aufgenommen.

Sonniges Herbstwetter, kalt zwar, aber trotzdem „sprüh-tauglich“: Seit Tagen arbeitet der Hagener Künstler Martin Bender an der Moskob-Fassade. Das Street-Art-Werk, das er auf Initiative des Vereins Willi & Söhne und des Projektes „Paint the Wall“ an die Fassade bringt, ist riesig.

  • Das Projekt „Paint the Wall“ entstand vor fünf Jahren im Zuge der Visionen für Lüdenscheid als Idee des Vereins Willi & Söhne.
  • Die Pandemie verschaffte dem Lüdenscheider Verein die Zeit, sich intensiv mit der Umsetzung auseinanderzusetzen. Und auch die zum Teil international tätigen Künstler konnten aufgrund der Reisebeschränkungen nicht im Ausland arbeiten und waren verfügbar.
  • Sechs Street-Art-Künstler bringen seit Mitte Oktober in Zusammenarbeit mit der Lüdenscheider Stadtmarketing, dem Lüdensheider Verein Willi & Söhne und Sponsoren an sechs Fassaden in der Lüdenscheider Innenstadt großflächige Kunstwerke an. Diese Street-Art-Kunst soll in den nächsten Jahren auf weitere Flächen ausgeweitet werden und ähnlich wie die Lichtrouten zu einem wiederkehrenden Festival in der Bergstadt werden.

Lüdenscheid - „Paint the Wall“ kann aufgrund der Corona-Restriktionen nicht so durchgeführt werden, wie es von Willis Söhnen geplant war. Doch auf die furiose Street-Art-Kunst müssen die Lüdenscheider trotzdem nicht verzichten, denn die Künstler arbeiten derzeit an verschiedenen Stellen in Lüdenscheid an ihren überdimensionalen Werken. Die Eröffnung war einschließlich geführter Rundgänge und einem Ladenlokal in der Innenstadt für Ende Oktober geplant. Die explodierenden Corona-Zahlen machten den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. So wollten die Söhne Willis eine offizielle Eröffnung in den November schieben, daraus wird vermutlich jetzt eher Dezember oder das neue Jahr.

Der Hagener Martin Bender versieht eine große Hausfassade am Rathausplatz oberhalb der ehemaligen Blumenhandlung Moskob mit dem großformatigen Bild eines Mädchens. „Kindern gehört die Zukunft“ war die einzige Themenvorgabe, die die Veranstalter den Street-Art-Künstlern gemacht haben.

Der Name seines ersten Werkes in Lüdenscheid trägt den poetischen Titel „Blick Richtung Sonnenaufgang“. Um die Fassade gestalten zu können, nutzt Bender einen Hubkran der Firma Borau Dach, der es ihm ermöglicht, nicht nur flexibel an der Fassade zu arbeiten, sondern das gigantische, in der Entstehung befindliche Bild bei Bedarf mit Abstand betrachten zu können, um bei den Detailarbeiten nicht das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Ohnehin haben viele Lüdenscheider Unternehmen und solche aus der Umgebung mit angepackt, um die einstige „Vision“ des Vereins Willi & Söhne Wirklichkeit werden zu lassen.

Seit Montag arbeitet Martin Bender an seinem großformatigen Urban-Art-Motiv am Rathausplatz.

Seit Montag arbeitet Martin Bender an seinem großformatigen Urban-Art-Motiv am Rathausplatz, Ende dieser Woche soll das Werk, das dauerhaft die Fassade zieren wird, fertig sein. Grundlage für die Fassadenmalereien des Künstlers, die in einer Mischtechnik entstehen, sind stets zeichnerisch gestaltete Entwürfe, die dann auf die jeweilige Fassadengröße hochgerechnet werden.

Bevor sich der Künstler im Jahr 2012 mit einem ersten überdimensionalen Gemälde der Fassadenmalerei zuwandte, befasste er sich ganz klassisch mit dem Zeichnen und der Ölmalerei, wobei er auch heute noch Bilder in „Normalgröße“, zum Beispiel für Ausstellungen, produziert. Seine Fassadenmalerei stellt in aller Regel Menschen dar. „Obwohl ich vielfach Personen aus meinem Freundes- oder Bekanntenkreis sowie Menschen, die mir auf der Straße auffallen, als Modelle nehme, handelt es sich bei meinen Bildern am Ende doch nicht um genaue Porträts oder Abbilder dieser Personen“, erzählt Bender. Seine Kunst vergleicht er lieber mit dem Sampling in der Musik – aus einer bestehenden Vorlage wird durch einen kreativen Prozess etwas Neues.

Diese Dynamik kenne ich von der Graffiti-Szene, in der ich ebenfalls lange Zeit aktiv war, und die möchte ich mit meinen Urban-Art-Werken rüberbringen.

Martin Bender

Martin Bender ist nicht das genaue Abbild der Person an sich wichtig. „Es ist vielmehr die Dynamik, der Schwung und der Duktus eines Motivs“, so Martin Bender. „Diese Dynamik kenne ich von der Graffiti-Szene, in der ich ebenfalls lange Zeit aktiv war, und die möchte ich mit meinen Urban-Art-Werken rüberbringen.“

Benders Wandgemälde „Blick Richtung Sonnenaufgang“ ist sein erstes Projekt in Lüdenscheid. Bender wurde in Kasachstan geboren. Im Jahr 1999 kam der damals Elfjährige mit seinen Eltern nach Deutschland, Gevelsberg. Er besuchte die Gestaltungsschule für Farbtechnik und Raumgestaltung in Wuppertal und studierte anschließend ein Semester lang Malerei und Grafik in Bochum. Daraufhin lebte und arbeitete Martin Bender in Berlin und Leipzig, bevor er 2015 nach Hagen zurückkehrte.

Martin Benders Kunstwerke stellt er zwar auch auf Leinwänden und Papier in Galerien aus, doch seine bekanntesten Werke zieren meterhohe Fassaden. Die Wandmalereien Benders zählen in der Street-Art-Szene zu den originellsten Kunstwerken ihrer Art.

Wem das beeindruckende Motiv am Rathausplatz gefällt und wer mehr von dem Street-Art- und Urban-Art-Künstler sehen möchte, sollte sich in Benders Wahl-Heimat Hagen auf die Suche begeben – hier findet der aufmerksame Betrachter bereits zahlreiche weitere seiner Werke. Obwohl Bender für seine überdimensionalen Fassadenbilder bekannt ist, fertigt er nach wie vor auch Zeichnungen und Gemälde an, die in vielen Museen ausgestellt werden.

Bereits vor Monatsfrist brachte der Berliner Künstler Akut (Falk Lehmann) seine Street-Art in Form eines Kindes mit einer Weltkugel auf die Fassade im Rosengarten. Es folgte das Duo Low Bros mit einer comicartigen Zeichnung an der Freiherr-vom-Stein-Straße. In der Winkelgasse am Schubidu sprühte der Lüdenscheider Künstler Wert eine überdimensional große Zauberlandschaft auf die Fassade, an der Thünentreppe setzte der Lüdenscheider Davis Pahl ein farbenprächtiges Zeichen, indem er die Stirnseiten besprühte. In der Innenstadt wird Mark Gmehling am Kleinen Sternplatz an der Fassade des Juweliergeschäftes künstlerisch tätig.

Angelegt ist die gesamte Aktion „Paint the Wall“ in Lüdenscheid so, dass es in den nächsten Jahren auf immer mehr Lüdenscheider Fassaden solche Kunstwerke geben soll.

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