Päderast muss für 17 Monate hinter Gitter

LÜDENSCHEID ▪ Er gehöre zur Gruppe der „vollständigen Leugner“, hat ein Psychologe vor fünf Jahren über ihn geschrieben. Mehrere Therapien hat der Päderast abgebrochen, gegen Bewährungsauflagen und Anweisungen der Führungsaufsicht verstoßen, der Justiz „Fehlurteile“ unterstellt – und sich immer wieder kleinen Jungen genähert. Jetzt muss der 31-jährige Dauerarbeitslose für 17 Monate hinter Gitter.

Ein Jahr und zwei Monate hat er bereits im Remscheider Gefängnis „abgerissen“. Unter anderem hatte er seinen Stiefbruder mehrfach missbraucht. Das Landgericht Wuppertal stellt ihn nach seiner Entlassung unter Führungsaufsicht. Dessen Weisung ist deutlich: nicht mit minderjährigen Jungen in Kontakt treten, sie nicht beherbergen oder sonstwie mit ihnen verkehren – auch nicht im Internet!

Offenbar juckt das den Delinquenten überhaupt nicht. Er meldet sich bei „Facebook“ an und sammelt kleine „Freunde“. Die Kinder gehen in seiner Innenstadt-Wohnung ein und aus, dürfen bei ihm nach Herzenslust ins Internet, einmal gibt's fünf Euro für einen Jungen, ein anderer bekommt ein Handy geschenkt, „damit wir in Kontakt bleiben können“.

Eine junge Mutter schaut im Computer ihres Sohnes nach, wird misstrauisch und wendet sich an die Polizei. „Einmal stand der sogar vor unserer Haustür.“ Die Beamten kennen den Mann natürlich schon, sie besuchen ihn, es gibt eine „Gefährderansprache“, wie es im Polizeijargon heißt. Soll heißen: Lass die Finger von den Jungs! Du stehst unter Beobachtung. Trotzdem bleibt Unsicherheit. Die Mutter sagt: „Wir sind nach Altena umgezogen wegen der Geschichte.“

Anstatt sich zusammenzureißen, weitet der Lüdenscheider seine Aktivitäten aus. Er heuert bei einem heimischen Sportverein an und wird Betreuer in der E-Jugend. Der Jugendleiter sagt, der Trainer-Assistent sei „unauffällig, pünktlich und sehr engagiert“ gewesen. Doch als er einen Anruf von der Polizei bekommt, stellt er den Betreuer zur Rede. „Wir haben ihm alle Schlüssel abgenommen und ihn der Anlage und des Vereins verwiesen.“

Oberstaatsanwalt Ulrich Hettwer ist ein Freund deutlicher Worte. „Eigentlich“, sagt er, „müsste der Angeklagte wissen, wo der Hammer hängt“. Nach dem dritten Rückfall könne man „ihn draußen nicht rumspringen lassen“, trotz einer erneuten Therapie, die seit wenigen Monaten läuft. Das Schöffengericht folgt der Auffassung und verweigert dem 31-Jährigen jede Bewährungschance.

Ein Blick ins Internet zeigt: Er ist bei „Facebook“ immer noch unvermindert auf der Suche nach „Freunden“.

Olaf Moos

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