Der "Geheimbund Kulturausschuss"

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Vorgestellt wurden die möglichen Pläne für die neue Dauerausstellung in den Museen im November 2018. Ein Protokoll gibt es nicht.

Lüdenscheid – „Unter uns sagen wir manchmal ,Geheimbund Kulturausschuss'. Das letzte Sitzungsprotokoll stammt vom 5. Juli 2018. Wir haben darüber in der Fraktionssitzung lang und heftig diskutiert. Und das kann nicht meine Aufgabe sein, alles nachzublättern.“ Otto Bodenheimer, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, ist sauer. Keine Protokolle der vergangenen Kulturausschuss-Sitzungen, kaum Unterlagen, wenig schriftlich Nachvollziehbares. Und das vor dem Hintergrund, dass „wir im Dezember die Hand heben sollen für eine 1,5 Millionen-Rücklage für die Erneuerung der Dauerausstellung in den Museen, mal unabhängig davon, ob die Kommunalaufsicht zustimmt.“

Fünf Sitzungen habe es, so Bodenheimer, seit dem letzten Protokoll gegeben, die letzte am 26. September. Am 14. November 2018 stellte Peter Wellach, Geschäftsführer des Planungsbüros „beier + wellach“, detailreich in der Kulturausschusssitzung seinen Entwurf für die geplante Dauerausstellung in den Museen vor. Der Wunsch der Lüdenscheider Politik sei gewesen, das Geschichtsmuseum solle seine Besucher durch erfolgreiche Sonderausstellungen gewinnen und nicht durch die Dauerausstellung. Der Wunsch wurde erfolgreich erfüllt: „Es ist in den Museen viel gemacht worden, aber der Kern wurde vernachlässigt“, so Wellach.

Kein roter Faden, keine so genannten „Neuen Medien“, keine inklusive Herangehensweise, veraltete Didaktik und aus rein technischer Sicht veraltete konservatorische Bedingungen – der Experte ließ kaum ein gutes Haar an der Dauerausstellung. Nachzulesen ist das nicht, ein Protokoll der Sitzung, so Bodenheimer, liege nicht vor: „Ich bin ja nur ab und zu mal für Herrn Wagner im Ausschuss. Aber in allen anderen Gremien ist das gang und gäbe, dass spätestens zwei Wochen nach der Sitzung ein Protokoll vorliegt. Ich habe das schon einmal bemängelt, aber Fakt ist: Es ändert sich nichts! Letzte Woche hat das Begleitgremium getagt. Da gab es sogar ein gelbes Heftchen mit dem Aufdruck ,Streng vertraulich'. Ich selbst bin Vorsitzender in verschiedenen Vereinen. Das ist doch kein Problem, ein Ergebnisprotokoll anzufertigen.“ 

„Ja, das ist ein blöder, misslicher Zustand, für den ich mich nur entschuldigen kann!“ Thomas Ruschin, Beigeordneter und damit auch für den kulturellen Bereich zuständig, weiß um die fehlenden Protokolle: „Das ist Mist, und das würde ich lieber heute als morgen ändern.“ Geschuldet sei der Zustand der langen Erkrankung des ehemaligen Kulturmanager Stefan Frenz, dessen Position inzwischen interimsmäßig Jessica Struckmeier bekleidet.

2013, so Ruschin, sei das Kulturmanagement eingerichtet worden und sollte fortan als eine Art Dienstleister zwischen den Kultureinrichtungen und der Verwaltung dienen. Allerdings sei diese Einrichtung rechtlich nicht durchdacht gewesen. Immer wieder tauchten Zuständigkeitsfragen auf. Ruschin: „Das musste korrigiert werden, wird aber inzwischen im Wesentlichen in trockenen Tüchern sein. Die Dinge abzuarbeiten, ist für alle ein anstrengender Prozess.“ 

Mit Blick auf die monierten, fehlenden Protokolle verwies Ruschin im LN-Gespräch darauf, dass der Kulturausschuss ja nur ein Votum ausspricht: „Das wird ja an anderer Stelle alles noch einmal beraten. Wenn da der aktuelle Beratungsstand nicht präsent ist, helfen wir gern. Aber wir können das nicht von jetzt auf gleich kompensieren.“ Was das „streng vertrauliche Papier“ des Begleitgremiums angehe, so Ruschin weiter, seien dort lediglich einige Namen beteiligter Personen genannt, die aber gegebenenfalls nur Platzhalter für andere sind.

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