Othlinghausens größter Hof feiert 300. Geburtstag

Der Grundstein des Kämperschen Hofes vom 23. Juni 1711.

OTHLINGHAUSEN – Mächtig erhebt sich der Kämpersche Hof am Ende von Othlinghausen. Ein Stein in seiner Fassade gibt Auskunft über die Anfänge seiner 300-jährigen Geschichte: „Caspar Noll - Anna Catrin vom Staadt Anno 1711 den 23 Juny“ steht darauf.

Dieter Kämper ist zusammen mit seiner Schwester Annette als letzte Generation der Kämpers in dem riesigen Bauernhaus groß geworden. 200 Quadratmeter Wohnfläche, 420 Quadratmeter Nutzfläche – das sind die nüchternen Zahlen, die die Dimensionen des Gebäudes andeuten. „Es war der größte Hof in Othlinghausen“, erklärt Dieter Kämper – und der älteste noch stehende Hof der Dorfbauerschaft, müsste man ergänzen. Denn Othlinghausens Ursprünge lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen.

Viele Umbauten haben das Aussehen des Hofes in den drei Jahrhunderten stark verändert: 1908 kam ein Stall hinzu, 1935 ein Schuppen und 1954 wurde auf Teile des Gebäudes eine weitere Etage aufgesattelt. Im Besitz der Kämpers sei das Gebäude seit 1921/22 gewesen, erzählt Dieter Kämper. Damals zog sein Großvater Ernst auf den Berg und brachte eine geborene Frau Reineberge mit. Zuvor sei in dem Anwesen eine Familie Klobe ansässig gewesen. Kämpers Jugend war noch von einem durch und durch landwirtschaftlich geprägten Othlinghausen bestimmt. Dieter Kämper erinnert sich an das „Kartoffeln Sammeln, Steine Lesen, Heu Einlagern und Runkeln Verziehen“. Letzteres sei eine ganz furchtbare Arbeit gewesen. Zwölf Kühe, vier Schweine, sowie sechs Rinder und Kälbchen hätten zum Hof gehört. Tod und Geburt gehörten zu einem Hof mit Viehhaltung – kein Wunder, dass auf den Othlinghauser Höhen der Storch auch die Kälbchen brachte. Schön ist auch die Klärung, wie das Christkind zu den Dorfkindern kam: „vom Oedenthal hoch“.

Erst 1988 gaben die Kämpers die Landwirtschaft auf. Mit zum Hof gehörten damals noch viele Grundstücke, auf denen später die schicken Neubauten am Schierey gebaut wurden. Bis heute gehören vier Hektar Wald, landwirtschaftlich nutzbare Flächen, ein Garten, eine Streuobstwiese und 3750 Quadratmeter Hoffläche zum Hof, der in Zukunft nicht mehr der Kämpersche sein wird: Das Anwesen soll verkauft werden. Bis dahin sollen auch die letzten Inventar-Zeugnisse verschwunden sein: Auch die Tage des wunderbar altmodischen Schlafzimmers von annodazumal werden dann gezählt sein, über dessen Bett noch die Devise seiner fleißigen Bewohner hängt – der schwäbische Dichter Cäsar Otto Hugo Flaischlen schrieb diese Verse: „Hab Sonne im Herzen, ob's stürmt oder schneit, ob der Himmel voll Wolken, die Erde voll Streit! Hab Sonne im Herzen, dann komme, was mag! das leuchtet voll Licht dir den dunkelsten Tag!“

Dunkle Tage kamen mit dem 2. Weltkrieg, als im Keller des Kämperschen Hofes ein Luftschutzkeller für die Bewohner Othlinghausens eingerichtet wurde. Eigentlich war dort der Ort für die Gurkentöpfe und Sauerkrautfässer, die bis heute an ihrem Ort stehen – im Gegensatz zu vielen Stücken der Ausstattung des Bauernhauses, die über die Jahre hinweg den Weg ins Lüdenscheider Geschichtsmuseum gefunden hätten, wie Kämper erzählt.

Wer das Haus erwirbt, steht vor einer großen Herausforderung: Imposant erhebt sich der große Stallraum mit seinem hohen Dachgebälk über dem riesigen Stall. Dort, wo Wohnwagen überwintern, wäre aber auch eine ganz andere Nutzung denkbar – nach Umbau, versteht sich.

Wer sich für das Gebäude interessiert, sollte sich mit Michael Bruchhage in Verbindung setzen (Tel. 0 23 51 / 3 63 20). http://www.bruchhage-immobilien.de

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