Othlinghausen: „Unser Dorf wird kaputt gemacht“

In dem Bereich, wo der schmale Mühlenweg und die Straße Zum Schierey in die Othlinghauser Straße münden, sollen sechs Einfamilienhäuser auf einer Grundstücksgröße von je 500 bis 600 Quadratmetern entstehen.

Othlinghausen - Die Enttäuschung der Othlinghauser war groß: Sie hatten am Mittwochabend bei der dritten Informationsveranstaltung zu der geplanten Bebauung ihres Dorfes vergeblich auf Alternativvorschläge seitens der Verwaltung, der Politik und des Bauträgers gehofft.

Stadtplaner Lars Bursian hatte jedoch keine neue Variante mitgebracht. Er erläuterte die neue Flächenplanungspolitik der Stadt und erklärte, dass die Nachfrage nach Wohnbauflächen sehr hoch sei und dem Folge getragen werden müsse. „Eine unheimliche Nachfrage“ bestätigte auch Architekt Dirk Miekeley, der versicherte, dass in der alten Ortsstruktur mit mittelalterlichen Grundrissen eine sensible eingeschossige Bebauung angedacht sei. „Die Hausinteressenten sollen in die Dorfstruktur passen, aus diesem Grund wurde für die Bewerber ein Fragebogen ausgearbeitet“, versuchte der Bauträger den Anwohnern ihre Angst zu nehmen.

Wie bereits berichtet, sollen in dem Bereich, wo der schmale Mühlenweg und die Straße Zum Schierey in die Othlinghauser Straße münden, sechs Einfamilienhäuser auf einer Grundstücksgröße von je 500 bis 600 Quadratmetern entstehen.

Rund 30 Anwohner und einige für den Stadtteil zuständige Kommunalpolitiker, darunter Oliver Fröhling (CDU), Verena Kasperek und Ramona Ullrich (SPD), Otto Bodenheimer (Bündnis 90/Die Grünen) – sowie Lars Bursian, aber auch die Architekten und Bauträger Rolf und Dirk Miekeley waren der Einladung von Karl-Friedrich Feld in die Gaststätte Bräcker gefolgt. Die Anwohner brachten es klar auf den Punkt: „Wir werden die Bebauung wohl nicht verhindern können, aber zu den hinteren zwei Häusern auf dem Gebiet des ehemaligen Landschaftsschutzgebietes und dem Bau der neuen Straße legen wir ein Veto ein.“ Die Dorfgemeinschaft fordert, die geplanten Häuser über den Mühlenweg zu erschließen.

Hier gab Architekt Miekeley jedoch zu bedenken, dass eine Erschließung über den Mühlenweg unter Berücksichtigung der verkehrsrechtlichen Grundlagen schwer umzusetzen sei – und wenn, dann mit deutlich höheren Kosten. Doch die Bewohner sehen die Notwendigkeit einer weiteren Straße nicht, auch das Gefälle sehen sie als Problem. Gerade in diesem Bereich käme es jetzt schon oft zu brenzligen Situationen im Straßenverkehr.

Sehr emotionsgeladen diskutierten am Mittwochabend rund 30 Anwohner mit Vertretern der Verwaltung, der Politik und den Bauträgern Miekeley.

In der emotionsgeladenen Versammlung trafen zwei Meinungen aufeinander: Während die Anwohner sich wehren, dass ihr Dorf durch die Bebauung „kaputt gemacht wird“, sehen Verwaltung, Politik und Bauträger die Bebauung lediglich „als Herauswachsen des Ortskerns“ oder „als kleine Insel im Ort“. „Mit diesem Bebauungsplan wird über das Ziel hinaus geschossen, die beiden letzten Häuser sprengen den Rahmen“, war sich die Dorfgemeinschaft einig. „Das ist kein Lückenschluss mehr.“

Verena Kasperek widersprach, machte sich damit jedoch keine Freunde: „Es gab vorher viel größere Bebauungspläne, hier entsteht bereits ein Kompromiss“. Doch allem Reden zum Trotz: Die Anwohner fühlten sich nicht verstanden, sprachen davon, dass die Dorfinteressen nicht berücksichtigt würden. In der zweiten Jahreshälfte soll die Kritik der Anwohner nun in den Fachausschuss mit aufgenommen werden. Die letztendliche Entscheidung über den Umfang der Bebauung jedoch liegt beim Rat der Stadt. - CG

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