Hauseigentümer könnten zur Kasse gebeten werden

Ordnungsamt soll im Kampf gegen die Vermüllung stärker einschreiten

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Müll in der Lüdenscheider Innenstadt

Lüdenscheid - Müll, wohin man blickt: in der Innenstadt, auf Gehwegen, in Grünanlagen, an Sammelstellen oder auch längs der streckenweise besonders stark verdreckten Werdohler Straße. Politik, Verwaltung und STL möchten das ändern.

Der Müll liegt überall. „Man hat den Eindruck, es wird immer schlimmer“, sagte STL-Werksausschuss-Vorsitzender Bernd Schildknecht. „Wie kriegen wir das überhaupt in den Griff?“

In der Werksausschusssitzung am Donnerstag gab STL-Chef Heino Lange darauf eine ausführliche Antwort. Kernaussagen: „Mit dem vorhandenen Personal wird das nicht gehen.“ Und: Künftig müsse das Ordnungsamt stärker kontrollieren und Verstöße ahnden. Auch das gehe nicht ohne mehr Personal.

Müll überall: Eine halbe Stunde in der Lüdenscheider Innenstadt

Doch das Konzept, das Heino Lange den Ausschussmitgliedern vorlegte, beschränkte sich nicht auf die Forderung nach mehr Personal. Er nannte Ursachen für die Misere, zeigte Handlungsmöglichkeiten auf und schätzte notwendige Gebührenerhöhungen auf drei Euro pro Gebührenzahler im Jahr. Nun müssen die Fraktionen die Vorschläge diskutieren und politische Weichen stellen.

Die Suche nach den Ursachen für das Müllproblem führt Jahre zurück: „Wenn die Stadt noch nicht so dreckig ist, fängt man dort an zu sparen“, sagte Lange. Heute sei für jeden der drei Innenstadtbezirke ein Mitarbeiter verantwortlich. Der Jüngste ist 62, der älteste 64 Jahre alt. Ausfallzeiten durch Krankheit (im Schnitt 36 Tage pro Mitarbeiter) sowie jeweils 30 Tage Urlaub wirkten sich aus.

Müll in der Lüdenscheider Innenstadt

Dann müsse ein Mitarbeiter zwei Bezirke übernehmen. Hilfe durch Zusatzkräfte, die die Stadt früher über das Sozialamt bekam, gibt es kaum noch. Zu Spitzenzeiten, so ergänzte Bürgermeister Dieter Dzewas, habe die Stadt 200 gemeinnützige Stellen gehabt. Heute sind es zwölf.

Zudem habe sich das „Arbeitsgebiet Stadtreinigung“ verändert: Viel mehr Außengastronomie, bauliche Veränderungen wie Sitzstufen, die die Aufenthaltsqualität erhöht hätten, sehr viel mehr Veranstaltungen in der Innenstadt – alles müsse gesäubert und gepflegt werden, auch an Wochenenden und abends. Das wirke sich auf die Personalverfügbarkeit in der Woche aus. Dazu komme: „Die Wegwerfmentalität hat zugenommen, und das hebt sich nicht von alleine auf.“

Müll in der Lüdenscheider Innenstadt

Abhilfe schaffen könnte nicht nur mehr Personal, sondern auch ein Instrument, das die Stadt bislang offensichtlich zu wenig nutzt: der gezielte Einsatz der Ordnungsamtskräfte. Um der „allgemeinen Verunratung Herr zu werden“, wie es Dieter Dzewas formulierte, wolle man mit dem Ordnungsamt gezielt dagegen vorgehen und „ausprobieren, ob das Wirkung zeigt“.

Das zielt vor allem gegen Hauseigentümer, die sich um die Zustände auf ihrem Gehweg zu kümmern hätten, vom Fegen bis zur ordnungsgemäßen Sperrmüll-Bereitstellung. Tun sie es nicht, können sie zur Kasse gebeten werden – all das führte zu allgemeinem Kopfnicken im Gremium. Sandra Manß (SPD) brachte die neue Hoffnung auf den Punkt: „Je ordentlicher es ist, desto weniger wird hingeschmissen.“

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