Vertraute Prachtstücke beim Neujahrskonzert

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Beschwingt ging das Neujahrskonzert dem Ende zu. ▪

LÜDENSCHEID - Am Ende ging der Blick der Besucher nach Wien: Ob dort wohl auch schon einmal der unvermeidliche Radetzkymarsch im Doppelpack gespielt worden sei? Wie immer hatten alle es geahnt, und wie immer war es eine Art Erlösung, als der berühmte Marsch von Johann Strauss' Vater am Ende des Neujahrskonzertes erschallte.

Und angesichts des kraftvollen Beifalls, den die Lüdenscheider dem Orchester des Landestheaters Detmold spendeten, verordnete Dirigent Erich Wächter seinem Klangkörper noch eine Wiederholung des dem Feldmarschall Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz gewidmeten Marsches.

Wenig hatte zu Beginn des Konzertes darauf hingedeutet, dass der Abend derart beschwingt zu Ende gehen würde. Bei Gioachino Rossinis Ouvertüre zum Barbier von Sevilla spielten sich die Detmolder noch warm, während das Publikum sich einlebte im Kulturhaus. Bariton Andreas Jören legte mit der Arie des Barbiers nach, Mezzosopranistin Anna Werle ergänzte die Arie des verliebten Waisenkindes Rosina.

Aus dem Sevilla des 18. Jahrhunderts wanderten die Detmolder dann nach Frankreich: Große Freude machten der Schlusssatz „Farandole“ aus Georges Bizets „L’Arlésienne“ und Kostbarkeiten von Charles Gounod, so seine Ballettmusik aus Faust und der bekannte „Mephisto-Walzer“, in der der große Nichtsnutz erstaunlich heiter daherkommt. Mit der Arie der Julia aus Gounods Oper „Roméo et Juliette“ trat zum ersten Mal die Sopranistin Katharina Ajyba auf die Bühne, die im Laufe des Abends nicht nur durch das von ihr gesungene Schwipslied zum Publikumsliebling wurde.

Nach ersten vielversprechenden Anfängen im Dreivierteltakt wienerte und walzerte es nach der Pause gewaltig im Kulturhaus. Nach Johann Strauss´ Ouvertüre zur Fledermaus gab es einen Schnelldurchgang durch die Operette, bei dem neben den beiden Sängerinnen Bariton Jun Dong Kim und Bariton Andreas Jören auf der Bühne standen. Mit dem Kaiserwalzer erklang schließlich ein weiteres vertrautes Prachtstück aus der Wiener Walzer-Welt, und das Konzert bog nicht mehr ganz nüchtern auf die Zielgerade ein: Plappermäulchen, Schwipslied und der „Feuerstrom der Reben“ bereiteten auf die genauso unvermeidliche wie immer wieder gern gehörte „schöne blaue Donau“ vor. Mit Johann Strauss’ Tritsch-Tratsch-Polka begann schließlich die Reihe der Zugaben, mit denen Erich Wächter seine Musiker zu Überstunden verleitete.

Schließlich nahm die Harfenistin die Angelegenheit und eine Pistole in die Hand, was das Konzert ebenfalls noch nicht endgültig stoppen konnte, weil ohne den Radetzky-Marsch eben niemand geht.

Das Publikum stand und klatschte und applaudierte und entwich erst nach den letzten Takten hörbar zufrieden nach Hause. - THK

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