Knapp, präzise und belebend

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Der Oratorienchor und Solisten führten die Markuspassion auf.

Lüdenscheid - Eine Passion, die mit Beifall bedacht wird - das kommt selten vor. Die Zuhörer einer Aufführung der Markuspassion von Reinhard Keiser (1674-1739) in der katholischen Kirche St. Joseph und Medardus entschieden sich dazu, nach einem Moment der Stille lange zu applaudieren.

Mit einer klangschönen Aufführung hatte Dirigent Peter Bonzelet dieses für die Aufführungspraxis wiederentdeckte Werk zum Strahlen gebracht. So wurde verständlich, weshalb Johann Sebastian Bach sich allein dieses Werks dreimal bemächtigte und es in verschiedenen Bearbeitungen zur Aufführung gebracht hatte. Bonzelet führte die Solisten des Abends sowie den Oratorienchor Lüdenscheid und die Kammerphilharmonie Europa knapp, präzise und belebend, sodass sich ein klanglich transparentes Musizieren zu entfalten vermochte.

Aufgeführt wurde dieses Passionsoratorium nach einer Fassung von Johann Sebastian Bach. Bonzelet legte durchaus Wert auf die mitreißende Dynamik wie im kraftvollen und zunehmend verebbenden „O hilf, Christe, Gottes Sohn“ des Chores. Der Oratorienchor förderte Facettenreichtum in Klang und Ausdruck zutage und bewies erstaunliche Leichtigkeit. Kam hinzu, dass Bonzelet dem Chor auch musikalische Präzision und gediegene Wort-Ton-Behandlung abforderte. Für den Zuhörer ein Genuss, da so das Geschehen klar Gestalt annahm. Spott und Hohn, „Kreuzige ihn!“, im Verlangen des Volks an Pilatus und an anderen Stellen verstärkten die Dramatik. Ein solides Orchester mit am Ende sattsam „weinenden“ Violinen verlieh dieser Aufführung exzellente Basis und Struktur.

Dabei erwies sich auch die Wahl der Solisten als äußerst dienlich. Evangelist Rüdiger Husemeyer (Tenor) sah seine narrative Rolle inhaltlich gebunden, „erzählte“ auch mit dem Klangreichtum seiner Stimme anschaulich das Geschehen. Geradezu selbstlos, weil ohne auch nur einen Hauch von Selbstverliebtheit, entledigte sich Husemeyer der umfänglichen Partie des Evangelisten und prägte damit diese Aufführung. Bassist Stefan Mosemann (Partie des Jesus) fügte sich mit tragender Zuversicht in der Stimme ein, beeindruckte mit der Arie „O süßes Kreuz, o Baum des Lebens“. Sopranistin Franziska Förster, glockenhell wie ausdrucksvoll unterwegs, riss mit ihrer hingebungsvollen Gestaltung Arie „O Golgatha! Platz herber Schmerzen“ hin und machte sich bewegt an die mit opernhaften Zügen ausgestattete Arie „Was seh’ ich hier, ist dies mein Auserwählter?“ Die Altstimme übernahm an diesem Abend „Altus“ Kerry Jago, ein exzellenter Countertenor, der dieser Aufführung mit stimmlichen Glanz zu geben vermochte. - usc

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