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Onlineshopping extrem: Mann bestellt iPhones im MK und erhält alte Turnschuhe

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Von: Olaf Moos

Gefahr im Netz
Symbolbild © Christin Klose/dpa-tmn

Auf den ersten Blick ein klassischer Fall: Jemand bietet im Internet Waren zum Verkauf an, die er nicht hat, kassiert das Geld von Käufern und taucht ab. Der 29-Jährige auf der Anklagebank hat sich damit nicht begnügt.

Lüdenscheid - Statt seinem Kunden, wie vereinbart, zwei IPhones und einen Internet-Router zum Gesamtpreis von 1500 Euro zuzusenden, packte er etwas anderes ein.

Der Zeuge, ein 36-jähriger Industriemechaniker aus Hannover, erinnert sich: „Er schickte mir stinkige Turnschuhe mit einem Spiegel darin.“ Dieser dreiste Betrug und weitere fünf gleich gelagerte Taten sind Anlass für eine Anklage gegen den arbeitslosen, drogen- und spielsüchtigen Mann – die zehnte inzwischen.

Urteile wegen gemeinschaftlichen Raubes, Drogenhandels, gefährlicher Körperverletzung oder Sachbeschädigung verunzieren sein Vorstrafenregister. Zwei Bewährungen laufen noch. Er sagt: „Ich brauche Hilfe.“

Er habe eine Freundin, mit der er gemeinsam Entgiftung und Therapie machen möchte. Rechtsanwalt Frank Peter Rüggeberg plädiert für eine weitere Bewährung. „Ich habe Hoffnung, dass es diesmal funktioniert.“

Der Mann aus Hannover, muskulös und in löchrigen Arbeitsklamotten, ärgert sich über sich selbst. „Ich wollte meine Freundin mit dem IPhone überraschen.“ Es musste schnell gehen, „der Geburtstag stand vor der Tür“.

Also akzeptierte er die undurchsichtigen Zahlungsbedingungen des Verkäufers, „ich Idiot“. Die Hälfte des Kaufpreises immerhin ist später zu ihm zurück geflossen.

Der Angeklagte ahnt, dass jetzt etwas passieren muss. Er zückt plötzlich sein Portemonnaie und blättert dem Zeugen im Gerichtssaal 250 Euro auf den Tisch. „Den Rest kriegst du auch noch.“ Amtsrichter Andreas Lyra fragt den Hartz-IV-Empfänger: „Haben Sie denn dann noch genug zum leben?“ Antwort: „Ja, das geht schon!“

Das reicht dem Schöffengericht nicht für eine Bewährung. Im Januar ‘19 fiel das jüngste Urteil, ein Jahr Freiheitsstrafe, doch eine konkrete Perspektive, zu arbeiten und drogenfrei zu leben, bleibt der 29-Jährige den Richtern schuldig. Stattdessen erlaubte er sich die Betrügereien.

Lyra: „Sie bringen heute einfach zu wenig mit.“ Das Gericht verurteilt den Mann zu eineinhalb Jahren Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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