Lüsterklemme: Duo überzeugt

Onkel Fisch mit bissigem und teils bitterbösem Programm

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Onkel Fisch in Aktion.

Lüdenscheid -  Wir haben sie noch im Ohr, jene großartig-schrägen Radio-Comedy-Formate wie „Grillstube Saloniki“ oder „Satan – Die Seele“. Deren Schöpfer sind Adrian Engels und Markus Riedinger, vielen besser bekannt als Onkel Fisch. Dass die beiden noch viel mehr können als Radio-Comedy, bewiesen sie am Samstag im Rahmen der zweiten Veranstaltung des diesjährigen Lüdenscheider Kleinkunstpreises im Kulturhaus mit „Neues aus der Lobbythek“, einem ihrer derzeit zwei aktuellen Kabarett-Programme.

Die Comedy-Urgesteine, die seit 1994 gemeinsam aktiv und neben ihren Radioauftritten auch im Fernsehen auf vielfältige Weise präsent sind, knöpfen sich das allgegenwärtige Thema Lobbyismus und Korruption vor. Ohne Umschweife legten die beiden in ihrem bissigen und teils bitterbösen Programm los und nahmen sogleich die regen Machenschaften der deutschen Rüstungslobby aufs Korn, die, befeuert von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen alias „Lord Helmchen“, Deutschland zum drittgrößten Rüstungsexporteur gemacht haben. Tatsächlich, so schwadronierten die beiden, sei die Erschießung Osama Bin Ladens und deren mediale Aufbereitung wohl doch eine große Promotionsaktion für das deutsche Rüstungsunternehmen Heckler und Koch gewesen.

Dafür, dass die Saudis ihre in Deutschland gekauften Kampfpanzer in das für die Missachtung der Menschenrechte bekannte Bahrein ausleihen, hatten Onkel Fisch eine ganz friedliche Erklärung: die Bildung von Fahrgemeinschaften und Schützenbruderschaften.

Bei allem, was Onkel Fisch auf der Bühne präsentierten – hemmungslose Slapstick-Einlagen wie die pantomimische Darstellung zweier „Lobby-Beuteltiere“ oder die orientierungslos umherstaksenden Marionetten Tim und Lukas, der Lokomotivführer aus der Augsburger Puppenkiste inbegriffen – wirkte die bestens funktionierende Chemie zwischen Engels und Riedinger auf das Publikum ansteckend. Die meisten schienen sich an diesem Abend blendend zu amüsieren, auch mit Blick auf die umfängliche Kritik an zahlreichen Politikern, die nach dem Ende ihrer Karriere zu ihren vormaligen „Gegnern“ in der Industrie gewechselt sind.

Gerne verziehen die Zuschauer dem Duo einen schwachen, uninspirierten Trump-Parodie-Schnellschuss, der wohl ins Programm Einzug gehalten hatte, weil man US-Präsident Trump derzeit wohl einfach parodieren muss.

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