Olympiakos Lüdenscheid fiebert BVB-Spiel entgegen

„Gegner sind wir sowieso nur für 90 Minuten“: Unter den Olympiakos-Fans sind viele BVB-Anhänger – deshalb hat auch ein schwarz-gelber Schal an der Corneliusstraße seinen Platz.

LÜDENSCHEID ▪ Wenn am kommenden Dienstag um 20.45 Uhr der BVB gegen Olympiakos Piräus anstößt, dürften gut und gerne 300 Lüdenscheider Griechen im Dortmunder Stadion live dabei sein. Seit vier Jahren gibt es den Fanclub „Olympiakos Lüdenscheid“ – mit Ausweisen und allem Drum und Dran.

180 Mitglieder zähle der Fanclub inzwischen, sagt Präsident und Mitbegründer Dimitri Polysakis stolz. Dazu gehört auch Nikolaos Tsilikas, dessen Sohn bei den Sportfreunden Oestrich in Iserlohn kickt. Er weiß, dass bei vielen Lüdenscheider Griechen, auch Olympiakos-Mitgliedern, bei diesem Spiel zwei Herzen in einer Brust schlagen. „Viele gehen seit Jahren zum BVB, haben auch Dauerkarten. Ein Freund von mir will sogar in Schwarz-Gelb zum Champions-League-Spiel.“

Landesverrat hält ihm deswegen keiner vor, schmunzelt Tsilikas. „Bei uns sieht man das nicht so eng.“ Denn in der „Sport-Arena“, dem Vereinsheim des Fanclubs an der Corneliusstraße, verfolgen sie an den Wochenenden sowieso einträchtig die europäischen Ligen, am liebsten die griechische und die Bundesliga – teils auch, um darauf zu wetten. Dabei stoßen zu den „Olympioniken“ von Piräus auch Anhänger von Panathinaikos Athen oder von PAOK Saloniki hinzu. Dass es dabei nie ernsthaften Streit gibt, wie Gastronom Nikos Ziouzios berichtet, ist keine Selbstverständlichkeit: Die Konkurrenz unter den Athener Clubs von Piräus und Panathinaikos ist so groß wie die Sicherheitsaufgebote der Polizei bei ihren Derbys. „Das ist wie bei Schalke gegen Dortmund oder Barca gegen Real.“

Wie der 38-malige griechische Meister Olympiakos haben auch Panathinaikos und PAOK Saloniki in Lüdenscheid eigene Fanclubs, berichtet Tsilikas. „Panathinaikos ist hier etwa so groß wie Piräus, vielleicht sogar etwas größer. PAOK hat in Lüdenscheid ungefähr 50 organisierte Fans.“ Auch unter ihnen dürften am Dienstag die Grenzen verschwimmen: „Leute, die hier für Panathinaikos, AEK Athen oder PAOK sind, fahren zum Piräus-Spiel, klar.“

Dass Piräus die Dortmunder im Hinspiel unerwartet mit 3:1 schrubbte, macht die griechische Seele auch in Lüdenscheid unverkennbar stolz, die von der Finanzdebatte ebenso lädiert ist wie von den noch längst nicht ausgestandenen Manipulations-Skandalen im griechischen Profi-Fußball. „Die Dortmunder haben uns unterschätzt, genau wie Arsenal“, sagt Ziouzios.

Er erwartet in seiner Sport-Arena für Dienstag keinen großen Besuch, weil alle im Stadion sein werden. Einige wenige Tickets gibt es noch in der neuen LN-Geschäftsstelle an der Friedrichstraße 6. Die meisten dieser Karten sind für die Nordtribüne – beim BVB traditionell der Platz für die Gästefans. „Und nachher“, sagt Ziouzios, „laden wir alle BVB-Fans zu einem Kaffee ein – egal, wer gewinnt. Gegner sind wir sowieso nur für 90 Minuten.“

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