Lüdenscheider Kleinkunsttage

Schweizer erfindet belgische Pralinen

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Olivier Sanrey

Lüdenscheid - Fünf Künstler treten bei den Lüdenscheider Kleinkunsttagen im Wettstreit um die „Lüdenscheider Lüsterklemme“ in der Garderobenhalle des Kulturhauses gegeneinander an. Den Anfang machte am Freitag der Jazzpianist Christoph Reuter. Am Sonntag folgte der Belgier Olivier Sanrey.

Obwohl Olivier Sanrey noch gar nicht so lange im Comedy-Geschäft ist, kann man ihn als Stand-Up-Comedian alter Schule bezeichnen. Eine Bühne ganz ohne Schnickschnack und seine eigene Kreativität, mehr braucht der Belgier, der seit 2005 in München lebt, nicht, um sein Publikum zum Lachen zu bringen.

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Sanrey war der zweite Künstler nach Christoph Reuter, der im Rahmen der Kleinkunsttage im Wettbewerb um die „Lüdenscheider Lüsterklemme“ im ausverkauften Bühnensaal des Kulturhauses antrat. Sanreys Comedy lebt von den Eigenheiten jener Nationen, denen sich der Künstler verbunden fühlt, eben Deutschland und Belgien. Doch bevor er loslegte, konnte es sich der Comedian nicht verkneifen, speziell den Lüdenscheidern einen einzuschenken. Bei dem Versuch, sich über seinen Auftrittsort schlau zu machen, war Sanrey über einen Zeitungsartikel gestolpert, der die unsachgemäße Nutzung der öffentlichen Toiletten am Bürgeramt zum Thema hatte. Sogleich stellte sich der Comedian die Frage, wer für dieses „Fass ohne Boden“, wie es eine städtische Mitarbeiterin bezeichnete, verantwortlich sei. Im Publikum meldete sich jedenfalls niemand.

Die Kleinkunsttage

26. Februar: „Faszination Allgäu“ von Maxi Schafroth

27. Februar: „Besser Arm ab als arm dran“ mit Martin Fromme

28. Februar: „Fat King Show – Happy End“ mit Fat King Konrad

Alle Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr in der Garderobenhalle des Kulturhauses. Karten kosten 15 Euro plus Gebühr, als Kombiticket für alle Veranstaltungen 60 Euro plus Gebühr an der Theaterkasse. An der Abendkasse müssen 17 Euro bezahlt werden.

Belgien, ein Land, das so klein ist, dass jeder Ort in der Nähe von Brüssel liegt, und Deutschland, wo Sanreys Freundin Sarah dem frisch Zugezogenen zur Lektüre der allseits bekannten Märchen riet und dieser daraufhin in der Bild-Zeitung stöberte – die Eigenheiten beider Nationen sind für Olivier Sanrey ein unerschöpflicher Quell der Inspiration. „Alle garstig!“ heißt zwar der Titel seines durchweg amüsantem Bühnenprogramms, doch unter die Gürtellinie gehen die Gags in der Regel nicht. Allerdings erfuhren die Zuhörer viel Neues über Dinge, die nur scheinbar typisch belgisch sind.

 So wurde zwar die Praline in Belgien erfunden, allerdings von dem Schweizer Apotheker Jean Neuhaus. Grundsätzlich, so Sanreys Urteil, geht es in Deutschland viel hektischer zu als in seiner Heimat. Während dort die Züge so langsam fahren, dass die Zugbegleiter an der Seite mitlaufen können, sind die Ausländer im deutschen ICE schwer beeindruckt, wenn das Internet ausfällt: Schließlich ist der Zug schneller als das World Wide Web.

Zudem wundert sich der Wahl-Münchner Sanrey über die Angewohnheit vieler Deutscher, ein Fitnessstudio-Abo zu besitzen, aber aufgrund monatelanger Abwesenheit oft gar nicht mehr zu wissen, wo sich das Studio überhaupt befindet. In der bayerischen Landeshauptstadt seien die Fitnessstudio-Abonnenten sogar so dekadent, dass sie viel Geld bezahlen, um die Gewichte von anderen stemmen zu lassen, weiß der Comedian.

Leicht und lustig, jedoch zu keiner Zeit langweilig und mit dem Anspruch, das Publikum an die zwei Stunden lang bestens zu unterhalten, überzeugte Sanreys Bühnenprogramm, das von den Lüdenscheidern mit lang anhaltendem Applaus belohnt wurde. - Von Björn Othlinghaus

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